L’Auberge Espagnole - Barcelona für ein Jahr
Student der Nebensächlichkeiten
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 13.11.2003
Filmbeschreibung
Bürokratisch ist das Studentenleben: mit seiner Jagd nach Scheinen, dem Rackern um Wissensvorsprung, der Hektik, bald den Kampf um einen der verbliebenen lukrativen Jobs aufzunehmen. Das ist zumindest jenes Bild des Studiums, das man aus den Leistungswillen beschwörenden Bildungsreformdebatten gewinnen konnte. Der französische Filmemacher Cedric Klapisch erinnert uns daran, dass noch immer nicht alle Studenten Datenaufnahmeroboter sind.
Seine Komödie "L’Auberge Espagnole - Barcelona für ein Jahr" erzählt vom Bummeln, vom Lernen als lästigem Beiwerk einer Phase neugieriger Selbstfindung, von der freiwilligen Entwurzelung aus dem Vertrauten und dem Selbstversuch mit neuen Menschen, Milieus und Gedanken. Weltfremd spaßtrunken ist Klapischs Werk deshalb noch lange nicht. Es beginnt und endet mit dem Horror eines Jungakademikers vor dem Eintritt in die Erwerbsgesellschaft. Und es hält uns im Bewusstsein, dass wir mit einer Wohngemeinschaft von Auslandsstudenten in Barcelona zwar eine mögliche studentische Lebensform und eine Utopie neuer europäischer Nachbarschaftlichkeit vor uns haben, aber keine ewig fortsetzbare Form des halbwegs autonomen, lustbetonten Lebens.
Für unseren Helden Xavier (Romain Duris) aber ist ein zusätzliches Studienjahr im europäischen Austauschprogramm Erasmus zunächst mal die Rettung vor einem Berufsleben, das ihm beim ersten Kontakt als seelentötende Monotonie erscheint. Er bricht nach Barcelona auf, nicht weil er weiß, was er dort will, sondern weil er weiß, was er daheim nicht will. Dafür lässt er sogar seine Freundin zurück, die wir sofort als Audrey Tautou aus "Die fabelhafte Welt der Amélie" erkennen. So ernst ist die Lage: Die meisten von uns wären bereit, im Austausch für ein paar Wochen mit Tautou unser Restleben in der Tristesse einer Rathausstube dahinzuwelken.
In Barcelona erwartet Xavier in seiner neuen WG ein Mischmasch der Sprachen, Temperamente und sexuellen Orientierungen. Aber Klapisch übertreibt, flunkert und schönt mit leichter, schneller Hand: "L’Auberge Espagnole" hat trotz seiner enormen Verdichtung etwas Authentisches, eine feine Beobachtungsgabe für Gebaren und Marotten. In Krisen- und Kummerzeiten versacken seine Figuren gern mal mit der Fernbedienung in der Hand vor dem Fernsehapparat und hindern ihre Gehirnzellen tagelang mit Hilfe von MTV am störenden Funktionieren.
Wie in Klapischs "Und jeder sucht sein Kätzchen" von 1996 ist auch in "L’Auberge Espagnole" ein hochmutfreies Amüsement über die Macken und Eigenheiten der Menschen ein Antrieb des Erzählens, treibt tadelfreie Neugier auf die Schrullen und Grillen der Protagonisten den Erzähler an. "L’Auberge Espagnole" hat kein großes Thema, er besteht aus kleinen Beobachtungen, Abschweifungen, Anekdoten. Aber vielleicht liegt darin seine Botschaft: dass sich das menschliche Dasein aus kleinen Momenten und Nebensächlichkeiten zusammensetzt. Und dass man gut aufpassen sollte, wie grau oder bunt die Nebensächlichkeiten in dem Leben sind, das man sich auszusuchen wagt.
Seine Komödie "L’Auberge Espagnole - Barcelona für ein Jahr" erzählt vom Bummeln, vom Lernen als lästigem Beiwerk einer Phase neugieriger Selbstfindung, von der freiwilligen Entwurzelung aus dem Vertrauten und dem Selbstversuch mit neuen Menschen, Milieus und Gedanken. Weltfremd spaßtrunken ist Klapischs Werk deshalb noch lange nicht. Es beginnt und endet mit dem Horror eines Jungakademikers vor dem Eintritt in die Erwerbsgesellschaft. Und es hält uns im Bewusstsein, dass wir mit einer Wohngemeinschaft von Auslandsstudenten in Barcelona zwar eine mögliche studentische Lebensform und eine Utopie neuer europäischer Nachbarschaftlichkeit vor uns haben, aber keine ewig fortsetzbare Form des halbwegs autonomen, lustbetonten Lebens.
Für unseren Helden Xavier (Romain Duris) aber ist ein zusätzliches Studienjahr im europäischen Austauschprogramm Erasmus zunächst mal die Rettung vor einem Berufsleben, das ihm beim ersten Kontakt als seelentötende Monotonie erscheint. Er bricht nach Barcelona auf, nicht weil er weiß, was er dort will, sondern weil er weiß, was er daheim nicht will. Dafür lässt er sogar seine Freundin zurück, die wir sofort als Audrey Tautou aus "Die fabelhafte Welt der Amélie" erkennen. So ernst ist die Lage: Die meisten von uns wären bereit, im Austausch für ein paar Wochen mit Tautou unser Restleben in der Tristesse einer Rathausstube dahinzuwelken.
In Barcelona erwartet Xavier in seiner neuen WG ein Mischmasch der Sprachen, Temperamente und sexuellen Orientierungen. Aber Klapisch übertreibt, flunkert und schönt mit leichter, schneller Hand: "L’Auberge Espagnole" hat trotz seiner enormen Verdichtung etwas Authentisches, eine feine Beobachtungsgabe für Gebaren und Marotten. In Krisen- und Kummerzeiten versacken seine Figuren gern mal mit der Fernbedienung in der Hand vor dem Fernsehapparat und hindern ihre Gehirnzellen tagelang mit Hilfe von MTV am störenden Funktionieren.
Wie in Klapischs "Und jeder sucht sein Kätzchen" von 1996 ist auch in "L’Auberge Espagnole" ein hochmutfreies Amüsement über die Macken und Eigenheiten der Menschen ein Antrieb des Erzählens, treibt tadelfreie Neugier auf die Schrullen und Grillen der Protagonisten den Erzähler an. "L’Auberge Espagnole" hat kein großes Thema, er besteht aus kleinen Beobachtungen, Abschweifungen, Anekdoten. Aber vielleicht liegt darin seine Botschaft: dass sich das menschliche Dasein aus kleinen Momenten und Nebensächlichkeiten zusammensetzt. Und dass man gut aufpassen sollte, wie grau oder bunt die Nebensächlichkeiten in dem Leben sind, das man sich auszusuchen wagt.
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