Stuttgarter Zeitung online | Zeitungsgruppe Stuttgart |  Samstag, 11. Februar 2012

Kino


"Der Einsatz" mit Al Pacino

Ein schattiges Familienerbe

Von Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 15.01.2004
Filmbeschreibung
Die Zeiten des Nachwuchsmangels sind vorbei. Seit den Terroranschlägen vom 11. September haben Amerikas Geheimdienste einen enormen Bewerberzulauf zu bewältigen. Doch mit welchen Erwartungen treten die jungen Bewerber an? Schließlich sind die CIA und wenige bekannte Rivalen wie die National Security Agency wegen ihrer Fehleinschätzungen und Schlampigkeiten in Sachen Terrorbedrohung in den Medien heftig getadelt worden. Eine interessante Frage und ein Fall für Hollywood: "Der Einsatz" ist ein Film über Agentenschulung.

Das Drehbuch von Kurt Wimmer ("Equilibrium") und Roger Towne (der Autor von "The Natural" und weniger bekannte Bruder des Drehbuchprofis Robert Towne) schlägt anfangs einen interessanten Haken. Es unterstellt nämlich, dass die CIA sich weniger für jene interessiere, die aus patriotischem Eifer zur Fahne laufen, als für junge Abweichler, die im Konflikt mit etablierten Strukturen Rückgrat und Bereitschaft zum Einzelgängertum beweisen. Colin Farrell spielt den jungen Computerexperten Clayton, der vom Marktführer Dell ein verlockendes Angebot erhält - und sich ziert, die Tür ins Big Business zu durchschreiten.

Wie überredet man so einen Systemverweigerer, zur CIA zu kommen? Zum einen, indem man ihm einen Kerl wie Burke (Al Pacino) auf die Pelle schickt, einen lebenserfahrungssatten Künstler der geheimnisvollen Andeutung und verheißungsvollen Ausrede. Auf die vielen Pleiten des Geheimdienstes angesprochen, erklärt Burke, das sei eben ein Kennzeichen der Geheimdienste: ihre Erfolge blieben geheim, nur die Pannen würden publik. Es macht anfangs Spaß, Pacino und Farrell beim Verführungsspiel zuzuschauen. Da hofft man auch noch auf Regisseur Roger Donaldson, dessen "Thirteen Days" von 2000 ein ernstes Interesse am Räderwerk der Macht zeigte, das seinem Reißer "No Way out" von 1987 noch fehlte.

Allein dem Psycho-Judo eines Anwerbers überlässt "Der Einsatz" die Entscheidung seines Helden aber nicht. In Claytons Leben gibt es eine Leerstelle. Der Vater ist früh und unter mysteriösen Umständen verstorben, und noch immer sammelt Clayton Spuren und Hinweise. Burke füllt die Lücke: Er deutet an, Claytons Vater sei als Agent im Schattenkrieg gefallen. Mit anderen Worten, "The Recruit" wie der Originaltitel lautet, macht die CIA zu einem Stück Familienerbe, die Bewerbung zur Aufnahme einer Tradition, den Übertritt ins Halbdunkel zu einer Bewegung, die einem größere Klarheit über ganz persönliche Fragen verschafft. Falls stimmt, was Burke erzählt.

Doch diesen Vorbehalt nutzt der Film nicht zu einer Unterhöhlung jeder Gewissheit, sondern zum Katz-und-Maus-Spiel, das entschieden unpolitisch wird.

Erzwungene Actioneinlagen, eine fade Liebesgeschichte und eine durchschaubare Intrige drängen die eigentlich interessante Geschichte, die ideologische Agentenschulung, in den Hintergrund. Ohne Pacino wäre dies ein fades Popcornmovie für leicht Verblüffbare. So ist es immerhin ein fades Popcornmovie mit Pacino - also für die leidensfähigen Fans unter uns einen Blick wert.
 
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