Reines, unverbindliches Kino: "Eine Affäre in Paris" von James Ivory
Mit Baguette und Bellizismus
Von Ulrich Kriest, veröffentlicht am 15.01.2004
Filmbeschreibung
In dem gerade erschienen Kompendium "Paris im Film" findet sich der doppeldeutige Satz: "Paris ist die einzige Stadt, die das Kino vollständig ersetzen kann." Sechshundert Parisfilme haben die beiden zu ihrer "Filmografie einer Stadt" zusammengetragen, die sich von der Idee leiten lässt, dass die Liebe zu Paris von der Liebe zum Kino nicht zu trennen ist. Mit "Looney Tunes - Back in Action", Bertoluccis "Träumern" und James Ivorys "Eine Affäre in Paris" sind gleich drei Filme in den Kinos, die dies bestätigen. Der Regisseur James Ivory ist durch Literaturverfilmungen wie "Zimmer mit Aussicht" oder "Was vom Tage übrig blieb" bekannt geworden, hat sich aber in seinem Frühwerk wie "Bombay Talkie" (1970) mit dem Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen beschäftigt.
Diesen Faden hat er jetzt ironisch wieder aufgegriffen, wenn er von den Abenteuern einer Hand voll Amerikaner im zeitgenössischen Paris erzählt. Schon der ausgestellt klischeehafte Vorspann des Films mit seinen typisch französischen Musetteklängen verweist aufs Kino selbst und schlägt den Tonfall einer federleichten Gesellschaftskomödie im Milieu der Reichen und Schönen an.
Die junge Amerikanerin Isabel (Kate Hudson) reist nach Paris, um ihre schwangere Schwester Roxeanne (Naomi Watts) zu besuchen. Vor der Haustür begegnet sie ihrem fahrigen Schwager Charles-Henri, einem Tagträumer aus gutem Hause, der just im Begriff ist, Roxeanne zu verlassen. Natürlich aus Leidenschaft zu einer anderen Frau, wir sind schließlich in Paris. Damit steht die im Original titelgebende Scheidung ins Haus, die sich dadurch verkompliziert, weil Roxeanne im Besitz eines Gemäldes ist, das sich als millionenschweres Original erweist, und diesen Besitz will sich die französische Familie des Ex nicht durch die Lappen gehen lassen.
Doch die Scheidungsauseinandersetzungen sind nur ein lockeres Handlungsgerüst, um in einzelnen Episoden von den Sensationen zu künden, mit denen Paris Isabel verzaubert. Eine Affäre mit einem brillanten Intellektuellen, der im Fernsehen als Bellizist - der Film spielt zur Zeit des Bosnienkrieges - auftritt, gehört ebenso dazu wie Einkaufsbummel und Nouvelle Cuisine. - Aus dem anfangs sportiv-geheimnislosen California Girl wird eine elegante Femme fatale. Hingebungsvoll und mit interesselosem Wohlgefallen flaniert Ivorys Film durch ein Paris, das fast zu schön ist, um wahr zu sein. Die Franzosen sind elegant und kultiviert, auch borniert und elitär.
Die Amerikaner dagegen herzensgut, tolerant und vielleicht etwas naiv. Man könnte sich über diese politische Note, die dem Film durch den Irakkrieg wider Willen zugewachsen ist, ärgern, doch man täte diesem Film keinen Gefallen. "Eine Affäre in Paris" ist reines, unverbindliches Kino, und die Politik ist ebenso Teil der Ausstattung wie die knallrote Kelly-Handtasche, die der Intellektuelle seiner Mätresse als Brandzeichen schenkt.
Diesen Faden hat er jetzt ironisch wieder aufgegriffen, wenn er von den Abenteuern einer Hand voll Amerikaner im zeitgenössischen Paris erzählt. Schon der ausgestellt klischeehafte Vorspann des Films mit seinen typisch französischen Musetteklängen verweist aufs Kino selbst und schlägt den Tonfall einer federleichten Gesellschaftskomödie im Milieu der Reichen und Schönen an.
Die junge Amerikanerin Isabel (Kate Hudson) reist nach Paris, um ihre schwangere Schwester Roxeanne (Naomi Watts) zu besuchen. Vor der Haustür begegnet sie ihrem fahrigen Schwager Charles-Henri, einem Tagträumer aus gutem Hause, der just im Begriff ist, Roxeanne zu verlassen. Natürlich aus Leidenschaft zu einer anderen Frau, wir sind schließlich in Paris. Damit steht die im Original titelgebende Scheidung ins Haus, die sich dadurch verkompliziert, weil Roxeanne im Besitz eines Gemäldes ist, das sich als millionenschweres Original erweist, und diesen Besitz will sich die französische Familie des Ex nicht durch die Lappen gehen lassen.
Doch die Scheidungsauseinandersetzungen sind nur ein lockeres Handlungsgerüst, um in einzelnen Episoden von den Sensationen zu künden, mit denen Paris Isabel verzaubert. Eine Affäre mit einem brillanten Intellektuellen, der im Fernsehen als Bellizist - der Film spielt zur Zeit des Bosnienkrieges - auftritt, gehört ebenso dazu wie Einkaufsbummel und Nouvelle Cuisine. - Aus dem anfangs sportiv-geheimnislosen California Girl wird eine elegante Femme fatale. Hingebungsvoll und mit interesselosem Wohlgefallen flaniert Ivorys Film durch ein Paris, das fast zu schön ist, um wahr zu sein. Die Franzosen sind elegant und kultiviert, auch borniert und elitär.
Die Amerikaner dagegen herzensgut, tolerant und vielleicht etwas naiv. Man könnte sich über diese politische Note, die dem Film durch den Irakkrieg wider Willen zugewachsen ist, ärgern, doch man täte diesem Film keinen Gefallen. "Eine Affäre in Paris" ist reines, unverbindliches Kino, und die Politik ist ebenso Teil der Ausstattung wie die knallrote Kelly-Handtasche, die der Intellektuelle seiner Mätresse als Brandzeichen schenkt.
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