Deep Blue
Silbrig glänzen die Schuppen
Thomas Basgier, veröffentlicht am 29.01.2004
Filmbeschreibung
Natur- und Tierfilme erfreuten sich bereits in der Frühzeit des Zelluloids enormer Beliebtheit. Heute ist das Genre längst ins Fernsehen abgewandert, doch plötzlich schwelgt auch das Kino wieder in fulminanten Bildern vom Planeten Erde, die das So-noch-nie-Wahrgenommene schon in der nächsten Einstellung durch das Noch-gar-nie-Gesehene zu übertreffen suchen.
Jüngstes Beispiel - nach "Mikrokosmos" und "Nomaden der Lüfte" - ist "Deep Blue", der ultimative Unterwasserfilm, realisiert von jenem Team, das schon die bahnbrechende BBC-Serie "The Blue Planet" verantwortete. Hier scheinen Aufnahmen geglückt, die sich auf ewig ins Gedächtnis einbrennen. Eine Kaiserpinguinkolonie bildet eine Phalanx und trotzt so einem antarktischen Sturm, bei dem einem schon beim Zuschauen das Mark gefriert. Eisbären jagen dreifach größere Belugawale, die sich zum Luftholen durch ein enges Eisloch zwängen müssen; staunend starrt man auf bizarre Lebensformen wie Anglerfische und wohnt Geschehnissen bei, von denen kaum zu glauben ist, dass sie sich in Anwesenheit einer Kamera ereigneten und auf solch kurze Distanz fotografiert wurden: Haie im Fressrausch, aber auch Delfine, Mantarochen und Tunfische bei der Attacke auf eine gigantische, so genannte Fischkugel - bis nur noch silbrige Schuppen in Großaufnahme gen Meeresboden sinken.
Womit der fundamentale Vorbehalt gegen die Machart des Films bereits angedeutet wäre. Erstens wird hier jegliche Transparenz über das wahre Zustandekommen von Bildern verweigert, und zweitens gebärdet sich "Deep Blue" keineswegs nur simpel martialisch, spiegelt auch nicht einfach menschliche Projektionen, indem er die Natur der Brutalität bezichtigt sowie zugleich ihrer Schönheit huldigt.
Das Ozeanspektakel ist vielmehr in extrem kalkulierter Weise auf das Ausstellen animalischer Gewalt bedacht. Wenn Killerwale Robbenbabys von einem Strand wegschnappen, wenn die Orcas sich verbeißen in ihre Opfer, sie in die Luft schleudern, bis Blutfontänen spritzen, dann wird uns das nicht einmal gezeigt, sondern fünfmal, sechsmal, von verschiedenen Positionen aus, in divergierenden Einstellungsgrößen.
Diese tendenziöse Montage verschleiert leider eine andere Aussage des Werks: Die notwendige Verbreitung der Botschaft, der Mensch gefährde das ökologische Gleichgewicht der Meere, wirkt in Anbetracht jener Schnittfolgen nahezu obsolet. Denn sogar in 5000 Metern Tiefe, wo statt einem Film- nur ein Videoequipment ins Mini-U-Boot passte, folglich die geschossenen Bilder später mittels Computer aufgemotzt werden mussten, dachten die Macher offenbar wenig an Ökologie. Sie hatten selbst am unwirtlichsten Ort vorwiegend Sinn für Effekthascherei.
Jüngstes Beispiel - nach "Mikrokosmos" und "Nomaden der Lüfte" - ist "Deep Blue", der ultimative Unterwasserfilm, realisiert von jenem Team, das schon die bahnbrechende BBC-Serie "The Blue Planet" verantwortete. Hier scheinen Aufnahmen geglückt, die sich auf ewig ins Gedächtnis einbrennen. Eine Kaiserpinguinkolonie bildet eine Phalanx und trotzt so einem antarktischen Sturm, bei dem einem schon beim Zuschauen das Mark gefriert. Eisbären jagen dreifach größere Belugawale, die sich zum Luftholen durch ein enges Eisloch zwängen müssen; staunend starrt man auf bizarre Lebensformen wie Anglerfische und wohnt Geschehnissen bei, von denen kaum zu glauben ist, dass sie sich in Anwesenheit einer Kamera ereigneten und auf solch kurze Distanz fotografiert wurden: Haie im Fressrausch, aber auch Delfine, Mantarochen und Tunfische bei der Attacke auf eine gigantische, so genannte Fischkugel - bis nur noch silbrige Schuppen in Großaufnahme gen Meeresboden sinken.
Womit der fundamentale Vorbehalt gegen die Machart des Films bereits angedeutet wäre. Erstens wird hier jegliche Transparenz über das wahre Zustandekommen von Bildern verweigert, und zweitens gebärdet sich "Deep Blue" keineswegs nur simpel martialisch, spiegelt auch nicht einfach menschliche Projektionen, indem er die Natur der Brutalität bezichtigt sowie zugleich ihrer Schönheit huldigt.
Das Ozeanspektakel ist vielmehr in extrem kalkulierter Weise auf das Ausstellen animalischer Gewalt bedacht. Wenn Killerwale Robbenbabys von einem Strand wegschnappen, wenn die Orcas sich verbeißen in ihre Opfer, sie in die Luft schleudern, bis Blutfontänen spritzen, dann wird uns das nicht einmal gezeigt, sondern fünfmal, sechsmal, von verschiedenen Positionen aus, in divergierenden Einstellungsgrößen.
Diese tendenziöse Montage verschleiert leider eine andere Aussage des Werks: Die notwendige Verbreitung der Botschaft, der Mensch gefährde das ökologische Gleichgewicht der Meere, wirkt in Anbetracht jener Schnittfolgen nahezu obsolet. Denn sogar in 5000 Metern Tiefe, wo statt einem Film- nur ein Videoequipment ins Mini-U-Boot passte, folglich die geschossenen Bilder später mittels Computer aufgemotzt werden mussten, dachten die Macher offenbar wenig an Ökologie. Sie hatten selbst am unwirtlichsten Ort vorwiegend Sinn für Effekthascherei.
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