Pieces of April - Ein Tag mit April Burns
Der Truthahn in der Bratröhre, die Familie im Schmelztiegel
Thomas Basgier, veröffentlicht am 27.02.2004
Filmbeschreibung
Mit "Gilbert Grape" hat sich der Roman- und Drehbuchautor Peter Hedges einen Namen gemacht. Nun gibt er seinen Einstand als Regisseur, und das Ergebnis darf man getrost als gelungen bezeichnen. "Pieces of April - Ein Tag mit April Burns" vereinigt gleich mehrere Filme in einem: Er ist eine schräge Familiensatire, ein dezentes Sozialdrama, eine Komödie übers Kochen und nicht zuletzt ein Film über Bewegung.
Zunächst jedoch bewegt sich gar nichts. April (Katie Holmes) findet nicht aus dem Bett, weil der Tag das Potenzial zum Albtraum in sich birgt. Es ist Thanksgiving, und in ein paar Stunden wird die Familie aus der Provinz zum Truthahnessen anrauschen. Allerdings sprüht auch diese nicht vor Begeisterung. Nur widerwillig hat man der Einladung der ältesten Tochter nach New York zugestimmt - zwischen April und ihrer Sippe herrschen schon länger allerlei atmosphärische Störungen.
Während die junge Dame im zeitgeistigen Gammellook langsam in die Gänge kommt, mutig dem Unterfangen ins Auge blickt, den ersten Truthahn ihres Lebens zu braten, zwängt sich also die Verwandtschaft ins Auto. Und ehrlich gesagt, die Zeichnung jener Skurrilfamilie ist Hedges dann doch ein wenig zu panoptikumsartig geraten: der Vater ein Trottel und Pantoffelheld, die Mutter auf Grund ihrer Krebserkrankung zu hysterischen Anfällen neigend und dabei heftig dem Marihuana zusprechend, die Oma eine Alzheimerpatientin, die beiden Kinder entweder überangepasst oder störrisch bis zur Halskrause. Jede Figur für sich offeriert reichlich Raum für Situationskomik, in der Summe wirkt die karikierende Absicht überdosiert. Was nichts daran ändert, dass sich der Film dramaturgisch als kleines Juwel entpuppt. Je mehr Meilen nämlich die Burns Richtung New York zurücklegen, desto mobiler wird auch April - notgedrungen. Schon beim ersten Einschalten quittierte der Herd den Dienst. Jetzt sucht sie in ihrer wenig noblen Mietskaserne einen Backofen, in dem sie leihweise den dicken Festtagsvogel garen darf, und trifft dabei - treppauf, treppab - auf allerlei seltsame Gestalten.
Die in "Pieces of April - Ein Tag mit April Burns" überzeugend inszenierte Parallelität von horizontaler und vertikaler Bewegung enthüllt nebenbei so einiges über Amerika, hauptsächlich aber dies: die USA existieren nicht, Amerika bedeutet Vielfalt und reizt durch seine Gegensätze, die versöhnt werden können oder eben nicht. Die Lebensanschauungen innerhalb des Vielvölkergemisches in den Großstädten haben kaum etwas gemein mit der Weltsicht, die dem durchschnittlichen Provinzamerikaner zu Eigen ist und welche Peter Hedges hier mit einer gehörigen Portion Spott überzieht.
Als Familie Burns endlich im urbanen Schmelztiegel landet, steht erst mal Kulturschock auf dem Programm. Am Ende entscheidet sich der Regisseur für die Versöhnung - man kann ihn deshalb der Unglaubwürdigkeit bezichtigen, man kann es aber auch als Utopie für ein besseres Amerika akzeptieren.
Zunächst jedoch bewegt sich gar nichts. April (Katie Holmes) findet nicht aus dem Bett, weil der Tag das Potenzial zum Albtraum in sich birgt. Es ist Thanksgiving, und in ein paar Stunden wird die Familie aus der Provinz zum Truthahnessen anrauschen. Allerdings sprüht auch diese nicht vor Begeisterung. Nur widerwillig hat man der Einladung der ältesten Tochter nach New York zugestimmt - zwischen April und ihrer Sippe herrschen schon länger allerlei atmosphärische Störungen.
Während die junge Dame im zeitgeistigen Gammellook langsam in die Gänge kommt, mutig dem Unterfangen ins Auge blickt, den ersten Truthahn ihres Lebens zu braten, zwängt sich also die Verwandtschaft ins Auto. Und ehrlich gesagt, die Zeichnung jener Skurrilfamilie ist Hedges dann doch ein wenig zu panoptikumsartig geraten: der Vater ein Trottel und Pantoffelheld, die Mutter auf Grund ihrer Krebserkrankung zu hysterischen Anfällen neigend und dabei heftig dem Marihuana zusprechend, die Oma eine Alzheimerpatientin, die beiden Kinder entweder überangepasst oder störrisch bis zur Halskrause. Jede Figur für sich offeriert reichlich Raum für Situationskomik, in der Summe wirkt die karikierende Absicht überdosiert. Was nichts daran ändert, dass sich der Film dramaturgisch als kleines Juwel entpuppt. Je mehr Meilen nämlich die Burns Richtung New York zurücklegen, desto mobiler wird auch April - notgedrungen. Schon beim ersten Einschalten quittierte der Herd den Dienst. Jetzt sucht sie in ihrer wenig noblen Mietskaserne einen Backofen, in dem sie leihweise den dicken Festtagsvogel garen darf, und trifft dabei - treppauf, treppab - auf allerlei seltsame Gestalten.
Die in "Pieces of April - Ein Tag mit April Burns" überzeugend inszenierte Parallelität von horizontaler und vertikaler Bewegung enthüllt nebenbei so einiges über Amerika, hauptsächlich aber dies: die USA existieren nicht, Amerika bedeutet Vielfalt und reizt durch seine Gegensätze, die versöhnt werden können oder eben nicht. Die Lebensanschauungen innerhalb des Vielvölkergemisches in den Großstädten haben kaum etwas gemein mit der Weltsicht, die dem durchschnittlichen Provinzamerikaner zu Eigen ist und welche Peter Hedges hier mit einer gehörigen Portion Spott überzieht.
Als Familie Burns endlich im urbanen Schmelztiegel landet, steht erst mal Kulturschock auf dem Programm. Am Ende entscheidet sich der Regisseur für die Versöhnung - man kann ihn deshalb der Unglaubwürdigkeit bezichtigen, man kann es aber auch als Utopie für ein besseres Amerika akzeptieren.
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