Frühling, Sommer, Herbst, Winter...und Frühling
Die dunkle Schwester der Besinnung
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 18.03.2004
Filmbeschreibung
Den eigenen Leidenschaften darf man nicht vertrauen. Man muss den Regeln der Alten folgen, der überlieferten Weisheit, den wenigen festen Sicherheiten in einer trügerischen Welt. Das bekommt ein junger Schüler von seinem alten Lehrer in Kim Ki-Duks Film "Frühling, Sommer, Herbst, Winter ... und Frühling" mit harter Hand beigebracht. Dass die beiden isoliert in einem kleinen Haus auf einem See mitten in einem fast unberührten Tal leben, trifft eine Aussage über den Wert der Gesellschaft. Das wahre Leben findet sich hier in der Einsamkeit.
Der Film führt uns durch die Jahreszeiten, aber die entsprechen den Lebensphasen des Menschen. Große Zeiträume liegen zwischen den Momenten, die wir miterleben, und dass sich in dieser Zeit etwas verändert, das wird hier durchaus skeptisch gesehen. Als der Schüler als Flüchtling vor der Welt, in die er für eine Weile aufgebrochen ist und in der er Schlimmes getan und erlebt hat, zum Meister zurückkehrt, lässt der ihn in die Plattform des Hauses Zeichen für Zeichen jene Weisheiten schnitzen, die er missachtet hat. Das ist ein kräftiges Kinobild, aber es ist auch eine Szene voll schwarzer Pädagogik.
Der Koreaner Kim Ki-Duk ("Die Insel") ist studierter Maler, und so ausgeklügelt schlicht und kraftvoll wie in seinen Leinwandkompositionen begegnet uns Gegenwartskino selten. Aber die flintharte Gesinnung hinter den Bildern irritiert mehr als einmal: In dieser archaischen Welt gibt es keinen produktiven Zweifel, nur immer neue Versuche, das einzig Richtige zu erzwingen.
Kim Ki-Duk legt manchmal fast selbstironisch offen, dass er Kino als moralische Anstalt versteht. Aber wenn der Lehrer schon zu Filmanfang das Kind, das aus Übermut und Gedankenlosigkeit Tiere gequält hat, damit bedroht, das Leid der Kreaturen werde dem Missetäter nun ewig auf dem Herzen liegen, dann ist das keine verschmitzte Barschheit und ins zärtlich komisch kippende Poltrigkeit. Es ist martialische Strenge. Wir wissen von nun an, dass das Leben des Jungen von dunklen Mächten und innerer Pein mitbestimmt wird. Kim Ki-Duk führt uns eine asiatische Variante der Ursünde und des Unschuldsverlustes vor.
Im Lauf des Films wird aus dem Kind ein Mann, und eine Frau wird in die klösterliche Einsamkeit kommen. Sinnlichkeit verdrängt dann Besinnung, die Leidenschaft führt zum Verrat an der Lehre, und das führt zu Gewalt, Qual und Unglück. "Frühling, Sommer, Herbst, Winter ... und Frühling" entwirft eine aufs Elementare reduzierte Welt, einen von allem Unwichtigen befreiten Mikrokosmos, der viel näher am Moment der Schöpfung zu liegen scheint als unsere Welt.
Aber das suggeriert auch, die Handlungen und Haltungen hier seien auf die nicht mehr teilbare und bezweifelbare Essenz des Wahren und Richtigen abgeschmolzen. Hier regiert eine beunruhigende Gewissheit und ein unerschütterliches Vertrauen in Rituale und Formen. Wenn der alte Meister seine Zeit gekommen sieht, dann schreitet er zur Selbstverbrennung. In diesen meditativen Szenen, die an die gottsucherischen Filme Andrej Tarkowskis erinnern, herrscht eine große Ungeduld mit dem menschlichen Fleisch.
Im Paradies der Mönche sind Naturwunder stets mit der Kraft großer Symbolik aufgeladen. So begegnen wir einem gefrorenen Wasserfall, der nicht an Kälte denken lassen will, sondern daran, dass Stillstand, das Ende einer Bewegung, so wichtig sein kann wie neugierige Unruhe. Tatsächlich, man kann Frieden finden in den Bildern von Kim Ki-Duks schroff-schönem Film - aber auch Erstarrung, Zwang und große Einsamkeit, die dunkle Schwester der Besinnung.
Der Film führt uns durch die Jahreszeiten, aber die entsprechen den Lebensphasen des Menschen. Große Zeiträume liegen zwischen den Momenten, die wir miterleben, und dass sich in dieser Zeit etwas verändert, das wird hier durchaus skeptisch gesehen. Als der Schüler als Flüchtling vor der Welt, in die er für eine Weile aufgebrochen ist und in der er Schlimmes getan und erlebt hat, zum Meister zurückkehrt, lässt der ihn in die Plattform des Hauses Zeichen für Zeichen jene Weisheiten schnitzen, die er missachtet hat. Das ist ein kräftiges Kinobild, aber es ist auch eine Szene voll schwarzer Pädagogik.
Der Koreaner Kim Ki-Duk ("Die Insel") ist studierter Maler, und so ausgeklügelt schlicht und kraftvoll wie in seinen Leinwandkompositionen begegnet uns Gegenwartskino selten. Aber die flintharte Gesinnung hinter den Bildern irritiert mehr als einmal: In dieser archaischen Welt gibt es keinen produktiven Zweifel, nur immer neue Versuche, das einzig Richtige zu erzwingen.
Kim Ki-Duk legt manchmal fast selbstironisch offen, dass er Kino als moralische Anstalt versteht. Aber wenn der Lehrer schon zu Filmanfang das Kind, das aus Übermut und Gedankenlosigkeit Tiere gequält hat, damit bedroht, das Leid der Kreaturen werde dem Missetäter nun ewig auf dem Herzen liegen, dann ist das keine verschmitzte Barschheit und ins zärtlich komisch kippende Poltrigkeit. Es ist martialische Strenge. Wir wissen von nun an, dass das Leben des Jungen von dunklen Mächten und innerer Pein mitbestimmt wird. Kim Ki-Duk führt uns eine asiatische Variante der Ursünde und des Unschuldsverlustes vor.
Im Lauf des Films wird aus dem Kind ein Mann, und eine Frau wird in die klösterliche Einsamkeit kommen. Sinnlichkeit verdrängt dann Besinnung, die Leidenschaft führt zum Verrat an der Lehre, und das führt zu Gewalt, Qual und Unglück. "Frühling, Sommer, Herbst, Winter ... und Frühling" entwirft eine aufs Elementare reduzierte Welt, einen von allem Unwichtigen befreiten Mikrokosmos, der viel näher am Moment der Schöpfung zu liegen scheint als unsere Welt.
Aber das suggeriert auch, die Handlungen und Haltungen hier seien auf die nicht mehr teilbare und bezweifelbare Essenz des Wahren und Richtigen abgeschmolzen. Hier regiert eine beunruhigende Gewissheit und ein unerschütterliches Vertrauen in Rituale und Formen. Wenn der alte Meister seine Zeit gekommen sieht, dann schreitet er zur Selbstverbrennung. In diesen meditativen Szenen, die an die gottsucherischen Filme Andrej Tarkowskis erinnern, herrscht eine große Ungeduld mit dem menschlichen Fleisch.
Im Paradies der Mönche sind Naturwunder stets mit der Kraft großer Symbolik aufgeladen. So begegnen wir einem gefrorenen Wasserfall, der nicht an Kälte denken lassen will, sondern daran, dass Stillstand, das Ende einer Bewegung, so wichtig sein kann wie neugierige Unruhe. Tatsächlich, man kann Frieden finden in den Bildern von Kim Ki-Duks schroff-schönem Film - aber auch Erstarrung, Zwang und große Einsamkeit, die dunkle Schwester der Besinnung.
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