Back to Gaya
Visueller Trümmerhaufen
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 18.03.2004
Filmbeschreibung
Kaliforniens Sonne kann man auf eine Funktionstaste legen. Wer seinen Film im Rechner entwickelt, kann auf die Standortvorteile Hollywoods pfeifen. Er braucht kein gutes Licht und schönes Wetter, kann auf Studiohallen verzichten und ist schon gar nicht auf Mega-stars angewiesen. Als die Pixar-Studios mit computeranimierten Komödien wie "Toy Story" und "Das große Krabbeln" Jung und Alt in Verzückung versetzten, hat man in Europa Hoffnung geschöpft. Wurde hier nicht ein neues Feld des Unterhaltungskinos erschlossen, auf dem Hollywood nicht notwendig die Oberhand behalten musste?
Der Computeranimationsfilm "Back to Gaya" war in den Jahren seiner Produktion ein deutscher Hoffnungsträger. Der Regisseur Lenard Fritz Krawinkel und der Drehbuchautor Jan Berger, das Team des Films "Sumo Bruno", wollten von Pixar das Siegen lernen. Modern sollte ihr Film werden, multimedial verwertbar und die Seherfahrungen der Computerspieler integrieren. Krawinkel und Berger arbeiteten sogar mit den Autoren Bob Shaw und Don McEnery, die an "Das große Krabbeln" mitgeschrieben hatten.
Die Frucht langer Arbeit ist nun nicht einfach eine Enttäuschung, sondern ein Schock. "Back to Gaya" ist ein visueller Trümmerhaufen und erzählerischer Offenbarungseid. Die Geschichte von ein paar Trickfiguren, die aus ihrer Fernsehserie in die Welt vor der Mattscheibe gesaugt werden, macht falsch, was man falsch machen kann. Für kleine Kinder saust sie viel zu wirr umher, für Erwachsene hat sie statt Ironie und Hintersinn nur Verfolgungsjagden zu bieten.
Der Bildgestaltung merkt man an, wie schnell die Computeranimation voranschreitet, wie verwöhnt und erfahren unser Auge bereits ist. Manchmal sind hier in einer Szene mehrere Generationen Software am Werk, werden Figuren im Hintergrund von einem primitiven Bewegungsschema in Gang gehalten, während die Helden im Vordergrund viel mehr Gelenkigkeit zeigen. Umgebung und Figuren scheinen oft aus ganz verschiedenen Filmen zu stammen - letztlich ist das ja auch so.
Man hätte "Back to Gaya" - der Titel klingt nun unheilvoll doppeldeutig - noch mal neu durchrechnen, noch mal aufbohren und geschmeidiger machen können. Aber bis man mit einem begrenzten Team und Budget mit der Arbeit fertig gewesen wäre, hätten wieder die Hauptfiguren neben dem neuesten Pixar-Projekt alt ausgesehen. Ein fantasievolles Drehbuch, umgesetzt in einem beherrschbaren visuellen Stil, der sich nicht zu sehr an US-Vorbilder und gängige Spiele anlehnt, wäre die bessere Alternative gewesen. Kunstwelten leben nämlich von ihrem Geist. Liebe Entwickler: begreift Nemo!
Der Computeranimationsfilm "Back to Gaya" war in den Jahren seiner Produktion ein deutscher Hoffnungsträger. Der Regisseur Lenard Fritz Krawinkel und der Drehbuchautor Jan Berger, das Team des Films "Sumo Bruno", wollten von Pixar das Siegen lernen. Modern sollte ihr Film werden, multimedial verwertbar und die Seherfahrungen der Computerspieler integrieren. Krawinkel und Berger arbeiteten sogar mit den Autoren Bob Shaw und Don McEnery, die an "Das große Krabbeln" mitgeschrieben hatten.
Die Frucht langer Arbeit ist nun nicht einfach eine Enttäuschung, sondern ein Schock. "Back to Gaya" ist ein visueller Trümmerhaufen und erzählerischer Offenbarungseid. Die Geschichte von ein paar Trickfiguren, die aus ihrer Fernsehserie in die Welt vor der Mattscheibe gesaugt werden, macht falsch, was man falsch machen kann. Für kleine Kinder saust sie viel zu wirr umher, für Erwachsene hat sie statt Ironie und Hintersinn nur Verfolgungsjagden zu bieten.
Der Bildgestaltung merkt man an, wie schnell die Computeranimation voranschreitet, wie verwöhnt und erfahren unser Auge bereits ist. Manchmal sind hier in einer Szene mehrere Generationen Software am Werk, werden Figuren im Hintergrund von einem primitiven Bewegungsschema in Gang gehalten, während die Helden im Vordergrund viel mehr Gelenkigkeit zeigen. Umgebung und Figuren scheinen oft aus ganz verschiedenen Filmen zu stammen - letztlich ist das ja auch so.
Man hätte "Back to Gaya" - der Titel klingt nun unheilvoll doppeldeutig - noch mal neu durchrechnen, noch mal aufbohren und geschmeidiger machen können. Aber bis man mit einem begrenzten Team und Budget mit der Arbeit fertig gewesen wäre, hätten wieder die Hauptfiguren neben dem neuesten Pixar-Projekt alt ausgesehen. Ein fantasievolles Drehbuch, umgesetzt in einem beherrschbaren visuellen Stil, der sich nicht zu sehr an US-Vorbilder und gängige Spiele anlehnt, wäre die bessere Alternative gewesen. Kunstwelten leben nämlich von ihrem Geist. Liebe Entwickler: begreift Nemo!
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