"Derrick" als Zeichentrickfilm
Ermordete Witze
Womit wir schon bei den beiden größten Problemen des Zeichentrickfilms "Derrick - die Pflicht ruft!" wären. Zum einen ist die Krimiserie überhaupt nicht parodierbar, sie ist ihre eigene Satire geworden. In den späten Folgen bewegen wir uns durch einen surrealen Kosmos der Kleinbürger- und Altherrenfantasien, durchzuckt von Blitzen verkorksten Humors, der durch keinerlei subversiven Aufwand schräger zu bekommen wäre. Zum anderen ist auch die Selbstparodie immer nur kurze Zeit amüsant, dann wird sie doch bedrückend.
Der Regisseur Michael Schaack sowie das Produzenten- und Autorenteam von "Derrick - die Pflicht ruft!" sind sich dieses Dilemmas bewusst. Darum bieten sie uns in ihrem Animationsfilm, in dem Horst Tappert und Fritz Wepper ihre Serienfiguren selbst synchronisieren, zu Anfang den Kurzdurchlauf einer typischen Serienfolge. Ruck, zuck befragt Derrick in der Münchner Großbürgervilla die leicht dekadente Sippschaft und hat im Nu Tathergang, Motiv und Schuldige ermittelt. Danach schlägt der Trickfilm einen ganz anderen Ton an, versucht sich an einem schrillen Krimi um einen Schlagerwettbewerb, der viel mit den Billigtrickserien des Fernsehens für junge Zuschauer zu tun hat, aber wenig mit "Derrick".
So hängt diese vermeintlich hippe Produktion, die vergeblich auf das Nachglühen der Boulevardskandale um Dieter Bohlen hofft, völlig in der Luft. Ohne überzeugende Gags und Geschichte, mit einem schalen Design und langen Phasen drögen Herumblödelns hat sie nun nicht einmal mehr die deutsche Ordnungsfantasie "Derrick" als Reibungsfläche. Der Oberinspektor fände hier eine gruslige Aufgabe: herauszufinden, wer wirklich jeden Witz totgeschlagen hat.
EM, Maxx, Ufa
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