Die purpurnen Flüsse 2 - Die Engel der Apokalypse

Zirkus der Mönche

Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 08.04.2004
Filmbeschreibung
Ein paar düster verkuttete Mönche stapfen finster durch ihr folterkellergrottig wirkendes Kloster. Wir scheinen in einem Mittelalter-Thriller gelandet, wäre da nicht ein modernes Kriminalistenteam, das mit modernem Computergerät durchleuchten will, warum Blut aus einer Wand läuft, in die ein Nagel zum Aufhängen eines Kruzifixes getrieben wurde. Bevor wir an ein Wunder glauben müssen, ergibt die Untersuchung der Wand, dass hier eine Leiche verborgen liegt. Ein wenig seltsam ist es aber doch, wie munter hier das Blut sprudelt, das eigentlich längst geronnen sein sollte. Wir sind eben doch zurück im mittelalterlichen Denken, in einer Vorstellungswelt, in der Leichen auf mirakulöse Weise Zeichen geben und Zeugnis ablegen können.

Auch "Die purpurnen Flüsse 2 - Die Engel der Apokalypse" arbeitet also wie der Vorgängerfilm mit Anachronismen, mit dem Durcheinander gothischen Horrors und modernen Serienkillerschreckens, okkulter Motive und zynischer Rationalität. Nur hat nun der Regisseur Olivier Dahan seinen Kollegen Matthieu Kassovitz ("Hass") auf dem Regiestuhl abgelöst. Dahan mengt noch aggressiver und unbekümmerter Motive des Hongkongfilms in das sowieso schon seltsame Gemisch aus Brutalität, Okkultismus und Nazikolportage.

Mönche mit unmenschlichen Kräften, eine faschistoide Geheimgesellschaft, eine versunkene Festungsanlage aus dem Ersten Weltkrieg, Jean Réno und Benoît Maginel als zähe Ermittler, das sind alles keine Bestandteile einer logischen Erzählung mehr. Das sind Elemente einer Zirkusnummer des jungen französischen Kinos, das seit einigen Jahren gerne Fantasywelten zwischen Prügelspiel und Drogenrausch bastelt und in seinen Filmen den Wirklichkeitsverlust als Qualität ausstellen möchte.

Wenn sich hier ein Polizist abseits der Haupthandlung eine furiose Prügelei liefert, dient das nur noch vage dazu, seine körperlichen Fähigkeiten und seinen Charakter einzuführen. Hauptsächlich wird die Kampfkunsteinlage geboten, weil der Film nach Dahans Rhythmusgefühl mal wieder krachende Knochen und eingeschlagene Gesichter braucht. Dahan mag blutige Bilder vermutlich so, wie andere Leute bunte Cocktails mögen. Mord ist für ihn ein fast ulkiges Schockelement, kein menschliches Drama. So wird sein Film für die Mehrheit der Zuschauer ein intellektuelles und moralisches Delirium und für eine Minderheit der Genrefans cooler Kult.
 
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