Before Night falls
Schwule Orgien auf Kuba
Rupert Koppold, veröffentlicht am 29.04.2004
Filmbeschreibung
Auch wenn Guillermo Cabrera Infante von Reinaldo Arenas’ Buch "Bevor es Nacht wird" behauptet, es sei ein Meisterwerk: die Autobiografie des schwulen kubanischen Schriftstellers, der sich 1990 im New Yorker Exil das Leben nahm, ist zwar interessant als Dokument über das repressive Castro-System, sie ist aber auch dürftige Bekenntnisprosa, welche die sexuellen Abenteuer auf Kuba in die immerselben Wendungen fasst: "Schlüpfte ich zu einem wirklich süßen Jungen in die Badekabine ... Die aufregendsten Sachen mit wunderschönen Jungs erlebt; an manchen Tagen mit zehn, elf, zwölf von ihnen" ... Eines Tages bat mich ein Junge, natürlich war er bildschön ..."
Was deshalb nicht zu erwarten war: der Maler und Regisseur Julian Schnabel, dem 1996 schon ein beeindruckender Spielfilm über seinen jung verstorbenen Künstlerkollegen Basquiat gelang, hat aus der literarisch bescheidenen Vorlage einen exzellenten Film gemacht. Die Kindheit in der armen Provinz wird hier zu einer hymnisch-suggestiven Widmung an magische Natur, und für den in die Stadt ziehenden, erfahrungshungrigen jungen Mann (hervorragend: Javier Bardem) schafft Schnabel in farbsatten und lichtdurchfluteten Bildern eine erotische Atmosphäre aus brauner Haut, blauem Himmel und glitzerndem Meer. Natur also auch hier, und sie schließt sich mit der Sexualität zusammen zum schwulen Paradies. Aber wenn Arenas im Buch stolz von mehr als 5000 Eroberungen schreibt, in seinen ausgewählten Beispielen ein Partner wie der andere aussieht und auch auf dieses Aussehen reduziert wird, dann versucht Schnabel zumindest, aus Körpern auch Charaktere zu machen.
Der Held, der sich zuerst den Rebellen angeschlossen hatte, weil sie für ihn Freiheit verhießen, wird später ins Lager gesteckt und überlebt dort, indem er für Mitgefangene Briefe schreibt. Einmal wird er von einem Macho-Offizier verhört, der selber schwul ist, einmal schmuggelt ein Transvestit im Rektum versteckt ein Manuskript aus dem Lager - beide Rollen spielt Johnny Depp. Die Zeit in New York zeigt der Film als eine Art Epilog in trist-trüben Farben. Denn Arenas fühlt sich trotz allem aus dem Paradies vertrieben, in dem das Leben eine einzige große Orgie war. Und die kubanischen Heteros? Die haben für Arenas die Freuden des Schwulseins bloß noch nicht erkannt.
Was deshalb nicht zu erwarten war: der Maler und Regisseur Julian Schnabel, dem 1996 schon ein beeindruckender Spielfilm über seinen jung verstorbenen Künstlerkollegen Basquiat gelang, hat aus der literarisch bescheidenen Vorlage einen exzellenten Film gemacht. Die Kindheit in der armen Provinz wird hier zu einer hymnisch-suggestiven Widmung an magische Natur, und für den in die Stadt ziehenden, erfahrungshungrigen jungen Mann (hervorragend: Javier Bardem) schafft Schnabel in farbsatten und lichtdurchfluteten Bildern eine erotische Atmosphäre aus brauner Haut, blauem Himmel und glitzerndem Meer. Natur also auch hier, und sie schließt sich mit der Sexualität zusammen zum schwulen Paradies. Aber wenn Arenas im Buch stolz von mehr als 5000 Eroberungen schreibt, in seinen ausgewählten Beispielen ein Partner wie der andere aussieht und auch auf dieses Aussehen reduziert wird, dann versucht Schnabel zumindest, aus Körpern auch Charaktere zu machen.
Der Held, der sich zuerst den Rebellen angeschlossen hatte, weil sie für ihn Freiheit verhießen, wird später ins Lager gesteckt und überlebt dort, indem er für Mitgefangene Briefe schreibt. Einmal wird er von einem Macho-Offizier verhört, der selber schwul ist, einmal schmuggelt ein Transvestit im Rektum versteckt ein Manuskript aus dem Lager - beide Rollen spielt Johnny Depp. Die Zeit in New York zeigt der Film als eine Art Epilog in trist-trüben Farben. Denn Arenas fühlt sich trotz allem aus dem Paradies vertrieben, in dem das Leben eine einzige große Orgie war. Und die kubanischen Heteros? Die haben für Arenas die Freuden des Schwulseins bloß noch nicht erkannt.
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