The five Obstructions
Schikanen und Hoffnungen
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 08.07.2004
Filmbeschreibung
Ein guter Filmproduzent, behaupten Produzenten gerne, räume einem Regisseur alle Schwierigkeiten aus dem Weg, die seine kreative Entfaltung hemmen könnten. In "The five Obstructions" erleben wir eine ganz andere Produzentenarbeit: der dänische Filmemacher Lars von Trier ("Dogville") legt dem Regisseur Jorgen Leth die unglaublichsten Hindernisse in den Weg. Warum die beiden dieses Spiel miteinander treiben? Im Jahr 1967 hat Jorgen Leth einen abstrakten Kurzfilm mit dem Titel "Der perfekte Mensch" gedreht, der Lars von Trier nach eigener Aussage so fasziniert hat wie kein zweites Stück Zelluloid.
Lars von Trier hält es aber auch für ein kaltes Stück Kunst, für eines, mit dem sich Leth vor der Welt versteckt, in dem er den eigenen Gefühlen ausweicht. Also bietet er dem Freund und Kollegen an, mehrere Remakes, besser gesagt: lose Fantasien über das alte Thema vom perfekten Menschen drehen zu dürfen, aber stets unter Berücksichtigung einer von Lars von Trier erdachten Schikane: zum Beispiel der, dass keine Einstellung mehr als zwölf Bilder, also eine halbe Sekunde, dauern darf.
Das Ganze soll nicht nur ein Kunstspiel werden, sondern ein therapeutischer Prozess, der Leth zu neuen Einsichten über sich selbst und zu einem direkteren Erzählen verhilft. Wir sehen, wie Trier die Aufgaben erläutert, schauen Leth bei der Dreharbeit zu, hören uns dessen Reflexionen über das Spielchen und über seinen ehemaligen Schüler Trier an und sind dabei, wenn Leth und Trier sich die Lösung der jeweiligen Aufgabe gemeinsam anschauen. Wenn Trier erklärt, dass und wie Leth der Selbstentblößungsfalle wieder mal entkommen sei. Zumindest für Menschen, die sich für den kreativen Prozess des Filmemachens interessieren, für die Frage, wie jemand Ideen und Gefühle in Bilder umsetzt, ist das ein spannendes und auf sarkastische Weise auch durchaus witziges Kräftemessen.
Aber alles, was uns an Kritischem zu diesem hinter freundschaftlicher Neckerei verborgenen Machtspiel einfällt, zu dieser ungeheuren Anmaßung eines Menschen, der einen anderen zu dessen Glück umformen möchte, nimmt uns Lars von Trier einfach aus dem Mund, in einem gefilmten Nachwort, das nicht Leth, sondern Trier als den Ausgeforschten und Entblößten offenbart. Doch in einem Film, der von Raffinesse, Formspielerei, vom Sichverstecken des Regisseurs hinter dem Werk erzählt, kann auch diese Beichte als elegante Finte gesehen werden, wächst der Zweifel, ob Film uns tatsächlich Zugang zu den Filmenden vermittelt.
Und genau diesen Zweifel will Lars von Trier mit seiner vermeintlichen Offenheit auch säen. Schließlich wählt er eine äußerst seltsame Methode des Bekenntnisses, spielt sozusagen auch die direkte Ehrlichkeit mehrfach über Bande. Da sitzt nämlich nicht Trier vor der Kamera und denkt über seine Fehler nach, da sitzt Leth und verliest einen angeblichen Brief von Leth an Trier, eine Anklage von dessen Hybris. Nur hat diese Bezichtigung Trier selbst geschrieben und gefilmt.
Wir haben das letzte der fünf Hindernisse vor uns: Leth darf nur noch dem Namen nach Regisseur sein, muss den Stuhl aber an Trier übergeben und dessen Worte als vermeintlich eigene Erkenntnis sprechen. Schärfer kann Lars von Trier sein Dilemma nicht formulieren: dass er das Kino gern als Ort der Wahrheit hätte, aber jeden Moment des Kinos als ausgeklügelte Inszenierung begreift.
Lars von Trier hält es aber auch für ein kaltes Stück Kunst, für eines, mit dem sich Leth vor der Welt versteckt, in dem er den eigenen Gefühlen ausweicht. Also bietet er dem Freund und Kollegen an, mehrere Remakes, besser gesagt: lose Fantasien über das alte Thema vom perfekten Menschen drehen zu dürfen, aber stets unter Berücksichtigung einer von Lars von Trier erdachten Schikane: zum Beispiel der, dass keine Einstellung mehr als zwölf Bilder, also eine halbe Sekunde, dauern darf.
Das Ganze soll nicht nur ein Kunstspiel werden, sondern ein therapeutischer Prozess, der Leth zu neuen Einsichten über sich selbst und zu einem direkteren Erzählen verhilft. Wir sehen, wie Trier die Aufgaben erläutert, schauen Leth bei der Dreharbeit zu, hören uns dessen Reflexionen über das Spielchen und über seinen ehemaligen Schüler Trier an und sind dabei, wenn Leth und Trier sich die Lösung der jeweiligen Aufgabe gemeinsam anschauen. Wenn Trier erklärt, dass und wie Leth der Selbstentblößungsfalle wieder mal entkommen sei. Zumindest für Menschen, die sich für den kreativen Prozess des Filmemachens interessieren, für die Frage, wie jemand Ideen und Gefühle in Bilder umsetzt, ist das ein spannendes und auf sarkastische Weise auch durchaus witziges Kräftemessen.
Aber alles, was uns an Kritischem zu diesem hinter freundschaftlicher Neckerei verborgenen Machtspiel einfällt, zu dieser ungeheuren Anmaßung eines Menschen, der einen anderen zu dessen Glück umformen möchte, nimmt uns Lars von Trier einfach aus dem Mund, in einem gefilmten Nachwort, das nicht Leth, sondern Trier als den Ausgeforschten und Entblößten offenbart. Doch in einem Film, der von Raffinesse, Formspielerei, vom Sichverstecken des Regisseurs hinter dem Werk erzählt, kann auch diese Beichte als elegante Finte gesehen werden, wächst der Zweifel, ob Film uns tatsächlich Zugang zu den Filmenden vermittelt.
Und genau diesen Zweifel will Lars von Trier mit seiner vermeintlichen Offenheit auch säen. Schließlich wählt er eine äußerst seltsame Methode des Bekenntnisses, spielt sozusagen auch die direkte Ehrlichkeit mehrfach über Bande. Da sitzt nämlich nicht Trier vor der Kamera und denkt über seine Fehler nach, da sitzt Leth und verliest einen angeblichen Brief von Leth an Trier, eine Anklage von dessen Hybris. Nur hat diese Bezichtigung Trier selbst geschrieben und gefilmt.
Wir haben das letzte der fünf Hindernisse vor uns: Leth darf nur noch dem Namen nach Regisseur sein, muss den Stuhl aber an Trier übergeben und dessen Worte als vermeintlich eigene Erkenntnis sprechen. Schärfer kann Lars von Trier sein Dilemma nicht formulieren: dass er das Kino gern als Ort der Wahrheit hätte, aber jeden Moment des Kinos als ausgeklügelte Inszenierung begreift.
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