Wenn der Richtige kommt
Die große Blonde mit dem Eimer
Thomas Basgier, veröffentlicht am 12.08.2004
Filmbeschreibung
Die Kunst des Improvisierens bedarf einer Bühne. In der Regel braucht es die aktive Präsenz eines realen Publikums, um abendfüllende musikalische oder schauspielerische Stegreifdarbietungen mit Erfolg abrufen zu können. Nicht umsonst hat sich das Improvisationstheater als eigenständige Bühnenform entwickelt, und nicht ohne Grund hat kein Mensch je etwas vom Genre des Improvisationskinos gehört. Beim Drehen bedingen allein schon die Erfordernisse der Kamera und des Lichts, dass das spontane Ausagieren der Darsteller drastischen Beschränkungen unterliegt. Das Cinéma vérité der sechziger Jahre bot allenfalls eine spezielle Aufweichung dieser Limitierungen, und erst die von Lars von Trier initiierte Dogma-Bewegung wetterte dezidiert gegen das Korsetthafte des gängigen Filmemachens - freilich um den Preis, dass an Stelle der Inszenierungsvorschriften des Mainstreamkinos andere Vorschriften in Kraft zu treten hatten, welche den Akteuren nicht notwendigerweise mehr Spielraum zum Improvisieren eröffneten.
Nun aber verblüfft uns ein Film, der sich rein gar nicht um das bisher Gesagte schert. Das deutsch-schweizerische Gemeinschaftswerk "Wenn der Richtige kommt" von Oliver Paulus und Stefan Hillebrand - beide sind Absolventen der Ludwigsburger Filmakademie - schaut zwar produktionsbedingt "dogmatischer" aus als der puristischste Dogma-Streifen, ist aber in Wahrheit ein verwegener Grenzgänger zwischen Fiktion und Dokumentation. Der Prozess des Filmens vollzieht sich hier weit gehend plan- und absichtslos, von kalkulierter Zielrichtung keine Spur, vielmehr überlassen es die Regisseure hauptsächlich dem Zufall, wohin die Reise führt. Exakter formuliert: der Gang der Handlung entwickelt sich einzig aus der auf keinem Script basierenden, von inszenatorischen Eingriffen unbehelligten Konfrontation dreier Protagonisten, denen jeweils anheim gestellt ist, wie sie in ihrer Rolle auf eine Situation reagieren.
Je nach Lage der Dinge werden Laien "von der Straße" hinzugezogen, was dem Film zusätzlich den Charme von Authentizität verleiht und ihm einen semidokumentarischen Stempel aufdrückt. Improvisationskino, es existiert also doch. Den hier zu würdigenden Vertreter jener seltenen Spezies führt die Reise schließlich in die Türkei. Wie erwähnt: geplant und beabsichtigt war dieser Ausflug keineswegs.
Es ergab sich halt so, weil Paula, die große Blonde mit dem roten Putzeimer, Reinigungskraft im Mannheimer Collini-Center, gesegnet durch Entrücktheit von der Welt und entsprechender Geschmacklosigkeit - weil diese Paula also endlich den Richtigen gefunden zu haben meint. Mustafa, in Sachen Sicherheitsdienst im gleichen Tristbau unterwegs wie Paula, ist zuvorkommend und höflich - mehr an Gefühlsregung lässt er sich nicht entlocken.
Einmal essen sie eine Banane zusammen, einmal stolziert Paula in seine Stammkneipe, die Freunde des Angebeteten wiehern über ihr Kleid: Der Annäherungsversuch gerät zum Fiasko. Dann ergibt es sich, dass Mustafa auf Geheiß seines Vaters zum Heiraten in die Heimat entfleucht. Paulas erste und beste Zufallsbekanntschaft, ihre innige Freundin, die sich durchs Dasein schnorrende Gräfin Ada von Dewitz, verspricht erst tatkräftige Hilfe beim Aufspüren des Auserkorenen, kneift dann aber letztlich - und so macht sich die schräge Heldin alleine auf den Weg ins türkische Adana. Ohne Adresse, ohne Kontakt, nur mit der Gewissheit im Gepäck, dass das Schicksal es schon richten wird. Und schließlich ist der Richtige so lange der Richtige, bis sich herausstellt, dass auch er der Falsche ist.
Insbesondere Isolde Fischer als Paula sorgt dafür, dass hier ein kleiner Film mit minimalsten Mitteln in höchst amüsanter Weise von der Tragikkomik des Lebens zu erzählen vermag, von der Relativität des Glücks und vom Abenteuer, das auch dem scheinbar tristesten Alltag entlockt werden kann. Ein Alltag, den vor allem eines bereichert: die Fähigkeit zum Improvisieren.
Nun aber verblüfft uns ein Film, der sich rein gar nicht um das bisher Gesagte schert. Das deutsch-schweizerische Gemeinschaftswerk "Wenn der Richtige kommt" von Oliver Paulus und Stefan Hillebrand - beide sind Absolventen der Ludwigsburger Filmakademie - schaut zwar produktionsbedingt "dogmatischer" aus als der puristischste Dogma-Streifen, ist aber in Wahrheit ein verwegener Grenzgänger zwischen Fiktion und Dokumentation. Der Prozess des Filmens vollzieht sich hier weit gehend plan- und absichtslos, von kalkulierter Zielrichtung keine Spur, vielmehr überlassen es die Regisseure hauptsächlich dem Zufall, wohin die Reise führt. Exakter formuliert: der Gang der Handlung entwickelt sich einzig aus der auf keinem Script basierenden, von inszenatorischen Eingriffen unbehelligten Konfrontation dreier Protagonisten, denen jeweils anheim gestellt ist, wie sie in ihrer Rolle auf eine Situation reagieren.
Je nach Lage der Dinge werden Laien "von der Straße" hinzugezogen, was dem Film zusätzlich den Charme von Authentizität verleiht und ihm einen semidokumentarischen Stempel aufdrückt. Improvisationskino, es existiert also doch. Den hier zu würdigenden Vertreter jener seltenen Spezies führt die Reise schließlich in die Türkei. Wie erwähnt: geplant und beabsichtigt war dieser Ausflug keineswegs.
Es ergab sich halt so, weil Paula, die große Blonde mit dem roten Putzeimer, Reinigungskraft im Mannheimer Collini-Center, gesegnet durch Entrücktheit von der Welt und entsprechender Geschmacklosigkeit - weil diese Paula also endlich den Richtigen gefunden zu haben meint. Mustafa, in Sachen Sicherheitsdienst im gleichen Tristbau unterwegs wie Paula, ist zuvorkommend und höflich - mehr an Gefühlsregung lässt er sich nicht entlocken.
Einmal essen sie eine Banane zusammen, einmal stolziert Paula in seine Stammkneipe, die Freunde des Angebeteten wiehern über ihr Kleid: Der Annäherungsversuch gerät zum Fiasko. Dann ergibt es sich, dass Mustafa auf Geheiß seines Vaters zum Heiraten in die Heimat entfleucht. Paulas erste und beste Zufallsbekanntschaft, ihre innige Freundin, die sich durchs Dasein schnorrende Gräfin Ada von Dewitz, verspricht erst tatkräftige Hilfe beim Aufspüren des Auserkorenen, kneift dann aber letztlich - und so macht sich die schräge Heldin alleine auf den Weg ins türkische Adana. Ohne Adresse, ohne Kontakt, nur mit der Gewissheit im Gepäck, dass das Schicksal es schon richten wird. Und schließlich ist der Richtige so lange der Richtige, bis sich herausstellt, dass auch er der Falsche ist.
Insbesondere Isolde Fischer als Paula sorgt dafür, dass hier ein kleiner Film mit minimalsten Mitteln in höchst amüsanter Weise von der Tragikkomik des Lebens zu erzählen vermag, von der Relativität des Glücks und vom Abenteuer, das auch dem scheinbar tristesten Alltag entlockt werden kann. Ein Alltag, den vor allem eines bereichert: die Fähigkeit zum Improvisieren.
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