Liebe mich, wenn du dich traust
Ein seltsames Spiel
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 12.08.2004
Filmbeschreibung
Es gibt einen Moment, in dem dieser Film ein Horrorfilm sein will: Nachdem sich die beiden Hauptfiguren, die das Leben als einziges Spiel betrachten und deshalb alle möglichen und unmöglichen Lebensentwürfe ausprobieren, auf eine zehnjährige Spielpause geeinigt haben, malt sich Julien aus, was ihm die Normalität bescheren wird. Eine Frau, zwei Kinder, drei Freunde, einen festen Job, fünf Wochen Jahresurlaub, Konsumgüter, regelmäßigen Geschlechtsverkehr, das fade Glück eines geregelten Lebens. Ein Albtraum, denn Julien hat vom emphatisch gesteigerten Leben schon gekostet!
Mehr als von Liebe und Schmerz handeln die "Kinderspiele" - so der Originaltitel von "Liebe mich, wenn du dich traust" - des Franzosen Yann Samuell von der Lust am Fabulieren gemäß der Logik der Eskalation.
Am Anfang stehen traumatische Erfahrungen. Juliens Mutter stirbt an Krebs, Sophie wird als Migrantenkind von Mitschülern gequält. Die Kinder begegnen einander, als Sophie von Julien ein Spielzeugkarussell geschenkt bekommt. Als er sich das Spielzeug zurückleihen will, erklärt Sophie die Spielregel: Jeder Tausch fordert eine Mutprobe! Die Kinder verschwören sich also gegen die Erwachsenenwelt: Die Standpauke des Schuldirektors wird damit beantwortet, dass man ihm vor den Schreibtisch pinkelt.
Jahre vergehen, doch Julien und Sophie spielen weiter. Nur sind ihre Opfer jetzt nicht mehr Autoritäten, sondern sie selbst. Längst lieben sich Sophie und Julien, doch das erlösende Bekenntnis "Ich liebe dich" würde den Verdacht des Gespielten in sich tragen. So wird die möglichst perfide Intrige zum ultimativen Liebesbeweis. Yann Samuell buchstabiert die Zerstörungskraft dieser Liebe nun erbarmungslos durch und bedient sich dabei einfallsreich eines Arsenals von filmischen Kniffen, etwa des surrealen Theatereffekts, des Melodrams, des Werbespots. "Liebe mich, wenn du dich traust" ist eine aberwitzige Mischung aus "Die wunderbare Welt der Amelie" und "Mein Leben als Hund".
Die Eskalation der Inszenierungen fordert Opfer. Skandalös beiläufig werden Randexistenzen wie Schachfiguren geopfert, Hochzeiten gesprengt, Häuser verwüstet. Dass so was nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand. Vielleicht ist Samuell seine Geschichte selbst zu heiß geworden, vielleicht regte sich die Stimme der Vernunft. Jedenfalls rettet er durch eine ärgerliche Volte die Liebe von Sophie und Julien und setzt beide ins Altersheim: In fahlen Farben wird die Erinnerung ans abenteuerliche Leben zur reinen Fantasie. Ob das ein fauler Kompromiss oder eine augenzwinkernde Verbeugung vor den utopischen Möglichkeiten des Kinos ist, muss jeder Zuschauer selbst entscheiden.
Mehr als von Liebe und Schmerz handeln die "Kinderspiele" - so der Originaltitel von "Liebe mich, wenn du dich traust" - des Franzosen Yann Samuell von der Lust am Fabulieren gemäß der Logik der Eskalation.
Am Anfang stehen traumatische Erfahrungen. Juliens Mutter stirbt an Krebs, Sophie wird als Migrantenkind von Mitschülern gequält. Die Kinder begegnen einander, als Sophie von Julien ein Spielzeugkarussell geschenkt bekommt. Als er sich das Spielzeug zurückleihen will, erklärt Sophie die Spielregel: Jeder Tausch fordert eine Mutprobe! Die Kinder verschwören sich also gegen die Erwachsenenwelt: Die Standpauke des Schuldirektors wird damit beantwortet, dass man ihm vor den Schreibtisch pinkelt.
Jahre vergehen, doch Julien und Sophie spielen weiter. Nur sind ihre Opfer jetzt nicht mehr Autoritäten, sondern sie selbst. Längst lieben sich Sophie und Julien, doch das erlösende Bekenntnis "Ich liebe dich" würde den Verdacht des Gespielten in sich tragen. So wird die möglichst perfide Intrige zum ultimativen Liebesbeweis. Yann Samuell buchstabiert die Zerstörungskraft dieser Liebe nun erbarmungslos durch und bedient sich dabei einfallsreich eines Arsenals von filmischen Kniffen, etwa des surrealen Theatereffekts, des Melodrams, des Werbespots. "Liebe mich, wenn du dich traust" ist eine aberwitzige Mischung aus "Die wunderbare Welt der Amelie" und "Mein Leben als Hund".
Die Eskalation der Inszenierungen fordert Opfer. Skandalös beiläufig werden Randexistenzen wie Schachfiguren geopfert, Hochzeiten gesprengt, Häuser verwüstet. Dass so was nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand. Vielleicht ist Samuell seine Geschichte selbst zu heiß geworden, vielleicht regte sich die Stimme der Vernunft. Jedenfalls rettet er durch eine ärgerliche Volte die Liebe von Sophie und Julien und setzt beide ins Altersheim: In fahlen Farben wird die Erinnerung ans abenteuerliche Leben zur reinen Fantasie. Ob das ein fauler Kompromiss oder eine augenzwinkernde Verbeugung vor den utopischen Möglichkeiten des Kinos ist, muss jeder Zuschauer selbst entscheiden.
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