Die Thuranos
Ein Greis macht Klimmzüge
Michael Werner, veröffentlicht am 26.08.2004
Filmbeschreibung
Wenn man ein Haus in Johannesburg sein Zuhause nennen kann, aber auch Las Vegas und Düsseldorf und zwischendurch den Orient, dann braucht man eine Heimat, die mitreist. Mit ihrem Dokumentarfilm "Die Thuranos" haben Kerstin Stutterheim und Niels Bolbrinker einerseits ein liebevolles Porträt der Artistenfamilie dieses Namens gezeichnet, deren Patriarch Konrad Thurano auch heute noch, mit mittlerweile 95 Jahren, gemeinsam mit seinem Sohn Johannes in Varietés die Seilnummer "Crazy Wire Act" aufführt. Andererseits verfilmen sie ein Lebensmodell, in dem Raum, Zeit und Geld keine Rolle zu spielen scheinen. Wichtig sind auf den Akrobatenreisen rund um die Welt nur zwei Konstanten: erstens der Applaus des Publikums, zweitens die Familie.
Nun gibt es freilich Kunstgattungen, die auf der Leinwand mehr Wirkung erzielen als Seiltänzertricks. Die Thurano-Biografen wollten dennoch nicht auf Auszüge aus dem aktuellen Komik-Vater-Sohn-Programm verzichten, reichern sie aber mit Bildern aus einer Zeit an, als der Zirkus noch die größte Attraktion war in der Stadt, und mit Erzählungen der würdig Ergrauten. Konrad Thurano, der Greis, dem immer noch Klimmzüge mit einem Finger gelingen, brilliert da zwischen Trainingseinheiten an Reck und Ringen als erfrischend lakonischer Erzähler einer poetischen Kultur der Sensationen, die unter dem Dauerfeuer modernen Eventmanagements akut vom Aussterben bedroht ist.
Entdeckt wurde Konrad Thurano beim Radschlagen für zwei Pfennig in Düsseldorf. Dann jahrelang die Stangennummer im Zirkus. 1937 Emigration der Familie nach Südafrika. Dort Internierung, Farmarbeit. Nach dem Krieg der eigene Zirkus in Afrika, dann die Pleite, die Rückkehr nach Deutschland.
Es zeugt von der Bewunderung, welche die Regisseure dem Objekt ihrer Arbeit entgegenbringen, wenn eine Tochter Thuranos unwidersprochen behaupten darf, von der Apartheid in Südafrika habe man gar nichts mitbekommen. Und jene Bewunderung hemmt den kleinen Film über ein großes Leben. Nur redlich erzählt er von Abenteuer und Liebe, vom großen Traum und von der kleinen Kunst. Aber Hauptsache, er erzählt.
Nun gibt es freilich Kunstgattungen, die auf der Leinwand mehr Wirkung erzielen als Seiltänzertricks. Die Thurano-Biografen wollten dennoch nicht auf Auszüge aus dem aktuellen Komik-Vater-Sohn-Programm verzichten, reichern sie aber mit Bildern aus einer Zeit an, als der Zirkus noch die größte Attraktion war in der Stadt, und mit Erzählungen der würdig Ergrauten. Konrad Thurano, der Greis, dem immer noch Klimmzüge mit einem Finger gelingen, brilliert da zwischen Trainingseinheiten an Reck und Ringen als erfrischend lakonischer Erzähler einer poetischen Kultur der Sensationen, die unter dem Dauerfeuer modernen Eventmanagements akut vom Aussterben bedroht ist.
Entdeckt wurde Konrad Thurano beim Radschlagen für zwei Pfennig in Düsseldorf. Dann jahrelang die Stangennummer im Zirkus. 1937 Emigration der Familie nach Südafrika. Dort Internierung, Farmarbeit. Nach dem Krieg der eigene Zirkus in Afrika, dann die Pleite, die Rückkehr nach Deutschland.
Es zeugt von der Bewunderung, welche die Regisseure dem Objekt ihrer Arbeit entgegenbringen, wenn eine Tochter Thuranos unwidersprochen behaupten darf, von der Apartheid in Südafrika habe man gar nichts mitbekommen. Und jene Bewunderung hemmt den kleinen Film über ein großes Leben. Nur redlich erzählt er von Abenteuer und Liebe, vom großen Traum und von der kleinen Kunst. Aber Hauptsache, er erzählt.
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