Sommersturm
Die Verwirrung des jungen Mannes
ukr, veröffentlicht am 02.09.2004
Filmbeschreibung
Nein, nicht alle Schwulen finden Bully Herbigs matte Tuntenwitzchen komisch. Zu den Ketzern gehört beispielsweise Marco Kreuzpaintner: Der Regisseur von "Sommersturm", dieser autobiografisch getönten Coming-out-Geschichte, hält es noch immer für emanzipatorischer, wenn man nicht über Schwule lacht, sondern mit ihnen. Kreuzpaintner, Jahrgang 1977, hat einen Film über jugendliche Gefühlsverwirrungen gedreht, der nicht mit der existenziellen Schwere von Genreklassikern wie "Die Konsequenz" daherkommt, aber auch nicht auf die hoffentlich bald endgültig verblassende Mode der deutschen Filmkomödien der neunziger Jahre ("Der bewegte Mann") verfällt, eine Mode, die darin bestand, diskursive Herausforderung möglicher Geschlechtsvorlieben zu einem Lifestyle-Ornament zu verharmlosen.
"Sommersturm" erzählt differenziert von den Nöten und Missverständnissen, die sich einstellen, wenn man den eigenen Gefühlen auf die Schliche kommt und sich als Jugendlicher an der institutionalisierten Zwangsheterosexualität reiben muss, wie es sich anfühlt, wenn man sich als Junge in den besten Freund verliebt hat, obwohl man doch mit dem tollsten Mädchen der Clique zusammen ist. Dafür findet Kreuzpaintner bestechende Szenen - und er wird dabei von mutigen Jungschauspielern wie Robert Stadlober, dessen ausgeprägte Unbeholfenheit vor der Kamera hier so gut passt wie bei "Crazy", und von Alicja Bachleda-Curus ("Herz im Kopf") nach Kräften unterstützt.
Leider wird das Vergnügen an "Sommersturm" dadurch getrübt, dass der Film unangenehm aufdringlich auf Unterhaltung setzt und sich dabei, statt wenigstens originelle Gags zu finden, in ärgerlichen Klischees und Stereotypen verliert. Da sind sächselnde Ruderinnen und Bayerisch sprechende Betonköpfe - und gegen Ende verstrickt sich Kreuzpaintners Regie zudem noch in eine dem zuvor angeschlagenen Ton völlig unangemessene Melodramatik.
"Sommersturm" erzählt differenziert von den Nöten und Missverständnissen, die sich einstellen, wenn man den eigenen Gefühlen auf die Schliche kommt und sich als Jugendlicher an der institutionalisierten Zwangsheterosexualität reiben muss, wie es sich anfühlt, wenn man sich als Junge in den besten Freund verliebt hat, obwohl man doch mit dem tollsten Mädchen der Clique zusammen ist. Dafür findet Kreuzpaintner bestechende Szenen - und er wird dabei von mutigen Jungschauspielern wie Robert Stadlober, dessen ausgeprägte Unbeholfenheit vor der Kamera hier so gut passt wie bei "Crazy", und von Alicja Bachleda-Curus ("Herz im Kopf") nach Kräften unterstützt.
Leider wird das Vergnügen an "Sommersturm" dadurch getrübt, dass der Film unangenehm aufdringlich auf Unterhaltung setzt und sich dabei, statt wenigstens originelle Gags zu finden, in ärgerlichen Klischees und Stereotypen verliert. Da sind sächselnde Ruderinnen und Bayerisch sprechende Betonköpfe - und gegen Ende verstrickt sich Kreuzpaintners Regie zudem noch in eine dem zuvor angeschlagenen Ton völlig unangemessene Melodramatik.
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