Michael Crichton

Welt in Angst

Laszlo Trankovits, dpa, veröffentlicht am 01.02.2005
Foto: Verlag

US-Bestseller-Autor Michael Crichton hat schon immer mit großem Geschick Wissenschaft, Politik und Verbrechen zu hollywoodreifen Thrillern zusammen gesponnen. 100 Millionen weltweit verkaufter Bücher und zahlreiche Filme (wie "Jurassic Park" über die Wiederbelebung von Dinosauriern) zeugen von seinem Erfolg. Mit "Welt in Angst" betritt Crichton Neuland: nicht mehr eine bedrohliche moderne Technologie steht im Mittelpunkt, sondern krimineller und politischer Missbrauch der Wissenschaft.

Crichton bricht ein modernes Tabu und prangert seiner Meinung nach hysterische Umweltschützer und als alarmistisch empfundene Berichte über eine bevorstehende Klima-Katastrophe an. Erstmals bekennt sich der 62-Jährige zu einer persönlichen "Botschaft". Verkürzt heißt sie: die angeblich im Namen der Umwelt sprechen, sind keineswegs Idealisten und die "Guten". Es gebe keinen wissenschaftlichen Beleg für eine bedrohliche, von Menschen verursachte Erwärmung der Erdatmosphäre, für ein Abschmelzen der Polarkuppen oder andere Öko- Horrorszenarien wie Zunahme von Naturkatastrophen oder steigende Meeresspiegel - genau dies behaupten allerdings viele Wissenschaftler.

Die spannende, 600 Seiten lange fiktive Story über eine Verschwörung von Umweltschutzorganisationen und Öko-Terroristen beinhaltet wie oft bei Crichton exotische Schauplätze, schöne Frauen und heimtückische Morde. Die Helden, ein Rechtsanwalt und die Assistentin eines Milliardärs kämpfen gemeinsam mit CIA-Experten gegen Terroristen, die im Auftrag ominöser Umweltschutzorganisationen mit moderner Technologie Umweltkatastrophen auslösen wollen - bis hin zu einer gigantischen Tsunami-Welle, die Kalifornien treffen soll. So soll die "Sensibilität" der Öffentlichkeit für die Klimagefahren erhöht werden - und weitere Millionen für die Verbände fließen.

Auf dem Höhepunkt des bitterbösen Thrillers fällt der exzentrische US-Fernsehstar, der sich theatralisch für "die Rettung der Erde" einsetzt, Menschen fressende Rebellen auf einer Pazifik-Insel in die Hände. Der Schauspieler, wie die meisten Figuren Crichtons recht holzschnittartig gezeichnet, steht für "Gutmenschen", die mit ökologischen Phrasen die westliche Zivilisation anprangern - und die Crichton sichtlich nicht ausstehen kann. "Champagner-Linke" nennt er sie wohl als eine Art Nachfolger früherer "Salon-Kommunisten", die im Genuss westlicher Freiheit über das Glück im Sozialismus schwärmten.

US-Präsident George W. Bush dürfte seine wahre Freude an dem Buch des ehemaligen Arztes haben. Der gründlich recherchierte, aber höchst umstrittene Thriller liefert so ganz nebenbei Argumente, warum die USA das Kyoto-Umweltschutzabkommen nach Ansicht Crichtons zu recht abgelehnt haben. Und Crichton wendet sich mit seinem Thriller auch gegen vorwiegend europäische Bemühungen um mehr Umweltschutz. Crichton geht davon aus, dass jedem Kritiker der Ökologie-Bewegung unterstellt wird, bezahlter Handlanger von Industrie-Interessen zu sein. Deshalb ist der Thriller durchsetzt mit Verweisen auf Analysen internationaler Organisationen und Institute, mit Zitaten renommierter Wissenschaftler und vielen Schaubildern.

Crichton will belegen, dass auch in der Wirklichkeit eine Allianz von Juristen, Politikern, Medien und professionellen Umweltschützern die Angst der Menschen bewusst schüre. Das Bedrohliche daran sei vor allem, dass die Beseitigung der tatsächlichen Probleme - wie das der Armut in der Dritten Welt - von Umweltschützern eher behindert werde, meint der Autor. Nicht die angebliche Erderwärmung sei bedrohlich, sondern die Wirtschafts-Feindlichkeit der Ökologen. Das flott zu lesende Buch ist schwere Lektüre für umweltbewusste Europäer.
 

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