Inge Kloepfer

Friede Springer - Die Biographie

Klaus Koch, dpa, veröffentlicht am 22.02.2005
Foto: Verlag

Viel war bisher nicht bekannt aus dem Privatleben von Friede Springer, der Mehrheitsaktionärin von Europas größtem Zeitungsverlag und Witwe des vor fast 20 Jahren gestorbenen Firmengründers Axel Springer. Umso mehr ist "Friede Springer - Die Biographie" ein Medienereignis, denn die Konzernchefin stand der Autorin Inge Kloepfer, Redakteurin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", erstmals in ausführlichen Gesprächen zur Verfügung. Sie erzählte von ihrem Leben vor, mit und nach Axel Springer, der wie nur wenige Figuren das öffentliche Bild der Bundesrepublik in den Sechziger und Siebziger Jahren prägte.

Die erste Hälfte der gut 300 Seiten ist eine Liebesgeschichte, die zweite erzählt, wie die Witwe das von ihrem Mann zerschlagene Verlagsimperium wieder zusammenfügt. Dabei entsteht das Bild einer Frau, die sich erst allmählich ihrer Verantwortung und Macht bewusst wird und dann zielstrebig den Kampf gegen diejenigen aufnimmt, die sich ihr in den Weg stellen.Sie hat es mit den Brüdern Burda zu tun, mit "WAZ"-Verleger Erich Schumann, vor allem aber mit Leo Kirch.

Friede Riewerts, auf der Insel Föhr aufgewachsen und in der friesischen Sprache mehr zu Hause als in der deutschen, ist 23 Jahre alt, als sie 1965 in Hamburg Kindermädchen im Hause Springer wird. In der vierten Ehe des 30 Jahre älteren Axel Springer kriselt es bereits, doch niemand kommt auf den Gedanken, dass sich der erfolgreiche Großverleger auf den ersten Blick in die blonde Friesin verliebt hat. Zwei Jahre später richtet er ihr eine Wohnung in der Hamburger Milchstraße ein, sie wird seine - zunächst heimliche - Geliebte. In der Schilderung dieser Zeit geht die Autorin mehrfach auf Springers Ausschließlichkeitsanspruch ein, dem sich Friede völlig unterwirft. "Friede Riewerts war Axel Springer ausgeliefert." Sie lebte "ständig in der Angst, womöglich irgendetwas falsch zu machen, was seinen Unmut hätte erregen können, und dann wieder verstoßen zu werden, wie so viele vor ihr". Friede bricht den Kontakt zu ihrer Familie fast völlig ab. "An der Seite Axel Springers hatte sie auch bald keine Zeit mehr, ihre alten Freundschaften zu pflegen. Sie hatte sich auf den Verleger zu konzentrieren - die Bedingung dafür, dass sie bleiben konnte. Und sie wollte es so."

Es ist die Zeit, in der Axel Springer zur Personifizierung all dessen wird, wogegen die 68er-Generation kämpft, wogegen sich die Studentenrevolten richten. "Enteignet Springer!" wird zum Leitmotiv einer Protestwelle, die sich auch in Gewaltakten entlädt. Bei Friede findet Springer Verständnis und Zuflucht vor den öffentlichen Anfeindungen. "Sie lebte Springers Leben. Ein eigenes hatte sie nicht mehr." Erst nach zehn Jahren, als sie mehr und mehr auch öffentlich zur Frau an seiner Seite geworden ist und beide gemeinsam das Schloss Schierensee in Schleswig-Holstein eingerichtet haben, macht er ihr einen Heiratsantrag. Im Januar 1978 wird Friede Frau Springer. Mit dem Tode ihres Mannes 1985 beginnt Friede Springers zweites Leben. Sie ist 43 Jahre alt und sowohl Haupterbin als auch Testamentsvollstreckerin. Doch der Verlag hat durch Entscheidungen Axel Springers eine äußerst komplizierte Unternehmensstruktur erhalten. Je ein Viertel des Konzerns gehören der Springer-Holding und dem Burda-Verlag, die andere Hälfte ist als Aktien in Streubesitz. Und hier entwickelt sich ein Machtkampf mit Leo Kirch, der 40 Prozent zusammen kauft und den Anspruch auf unternehmerischen Einfluss bei Springer erhebt. Wie Friede Springer gemeinsam mit ihren Beratern diesen Angriff abwehrt, wie sie sich menschlich und juristisch mit ihren Miterben auseinandersetzt, wie sie sich am Ende die Aktienmehrheit im Verlag sichert und ihre Position als Verlegerin festigt - das erzählt die Autorin streckenweise als spannenden Wirtschaftskrimi.

Dass Friede Springer so ausführliche Einblicke in ihr Leben gewährte, hat vielleicht auch damit zu tun, dass sie mit Mathias Döpfner zum ersten Mal seit Springers Tod einen Vorstandschef gefunden hat, dem sie völlig vertraut. Er dürfte ihr kaum abgeraten haben, Inge Kloepfers Anfrage nach einem Interview positiv zu beantworten.
 

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