Code 46
Ödipus und die Fallen der Gentechnik
Rupert Koppold, veröffentlicht am 03.03.2005
Filmbeschreibung
"Der neue Finger muss angemeldet werden!" Solche Sätze sind in den Metropolen der schönen neuen Welt zu hören, in denen die Einwohner vollständig erfasst werden sollen. Aber ist ein genetisch aufgeschlüsselter Mensch wirklich vollständig erfasst, und wenn ja: ist er damit auch vollständig verstanden? In seinem Science-Fiction-Film "Code 46" versucht Michael Winterbottom, in einem wissenschaftlich erklärten und scheinbar durch und durch transparenten Leben die Liebe, das Geheimnis, die Romantik und das Schicksal zu retten.
Im Auftrag der Versicherungsfirma Sphinx reist William (Tim Robbins) in dieser Geschichte von Seattle nach Schanghai, um herauszufinden, wer dort die so genannten "Papelles" fälscht, jene Papiere, die allein zum Aufenthalt in den hochzivilisierten Städten berechtigen. Das Empathieserum, das William eingeimpft wurde, bringt ihn schnell auf die Spur der jungen Maria (Samantha Morton), aber er verrät sie nicht, er ist von ihr so angezogen, dass er sich in sie verliebt und mit ihr schläft. Ohne es zu wissen, hat er dabei gegen das Inzestverbot in den Zeiten der künstlichen Befruchtung, der Gentechnik und des Klonens verstoßen.
Das immer wieder Stoffe und Stile wechselnde Regiechamäleon Winterbottom, das scharfkantige Roadmovies wie "Butterfly Kiss", düstere Literaturverfilmungen wie "Jude", spritzige Liebesgeschichten wie "With or without you" oder halb dokumentarische Flüchtlingsdramen wie "In this world" gedreht hat, transponiert hier ein Stück der Ödipusgeschichte und auch ein Stück des "Homo Faber" in die Zukunft.
Aber so ganz schafft es Winterbottom leider nicht, sein Thema herauszuarbeiten, "Code 46" wirkt dramaturgisch eher verwirrend als komplex. Was der Film aber schafft, ist die Setzung der Gegenwart als Zukunft, genauer gesagt: es gelingt ihm, Bilder der futuristischen Architektur des heutigen Schanghai und des heutigen Dubai so glaubhaft als Bilder der Welt von morgen auszugeben, wie das Godard 1965 mit dem damaligen Paris gelungen ist, das bei ihm zur totalitären Stadt "Alphaville" wurde.
Auch die Zonen außerhalb der Metropolen, in denen die Armen und Ausgestoßenen ohne "Papelles" leben, sind in "Code 46" überzeugend geschildert, obwohl oder gerade weil es dort so aussieht wie in der Dritten Welt von heute. "Wie können Menschen hier leben?" fragt Williams, den es in diese Zonen verschlagen hat, einen Taxifahrer. "Nicht leben", antwortet der, "nur existieren." In solchen Szenen ist klar: die Zukunft hat längst begonnen.
Im Auftrag der Versicherungsfirma Sphinx reist William (Tim Robbins) in dieser Geschichte von Seattle nach Schanghai, um herauszufinden, wer dort die so genannten "Papelles" fälscht, jene Papiere, die allein zum Aufenthalt in den hochzivilisierten Städten berechtigen. Das Empathieserum, das William eingeimpft wurde, bringt ihn schnell auf die Spur der jungen Maria (Samantha Morton), aber er verrät sie nicht, er ist von ihr so angezogen, dass er sich in sie verliebt und mit ihr schläft. Ohne es zu wissen, hat er dabei gegen das Inzestverbot in den Zeiten der künstlichen Befruchtung, der Gentechnik und des Klonens verstoßen.
Das immer wieder Stoffe und Stile wechselnde Regiechamäleon Winterbottom, das scharfkantige Roadmovies wie "Butterfly Kiss", düstere Literaturverfilmungen wie "Jude", spritzige Liebesgeschichten wie "With or without you" oder halb dokumentarische Flüchtlingsdramen wie "In this world" gedreht hat, transponiert hier ein Stück der Ödipusgeschichte und auch ein Stück des "Homo Faber" in die Zukunft.
Aber so ganz schafft es Winterbottom leider nicht, sein Thema herauszuarbeiten, "Code 46" wirkt dramaturgisch eher verwirrend als komplex. Was der Film aber schafft, ist die Setzung der Gegenwart als Zukunft, genauer gesagt: es gelingt ihm, Bilder der futuristischen Architektur des heutigen Schanghai und des heutigen Dubai so glaubhaft als Bilder der Welt von morgen auszugeben, wie das Godard 1965 mit dem damaligen Paris gelungen ist, das bei ihm zur totalitären Stadt "Alphaville" wurde.
Auch die Zonen außerhalb der Metropolen, in denen die Armen und Ausgestoßenen ohne "Papelles" leben, sind in "Code 46" überzeugend geschildert, obwohl oder gerade weil es dort so aussieht wie in der Dritten Welt von heute. "Wie können Menschen hier leben?" fragt Williams, den es in diese Zonen verschlagen hat, einen Taxifahrer. "Nicht leben", antwortet der, "nur existieren." In solchen Szenen ist klar: die Zukunft hat längst begonnen.
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