Stuttgarter Zeitung online | Zeitungsgruppe Stuttgart |  Samstag, 11. Februar 2012

Kino


Code 46

Ödipus und die Fallen der Gentechnik

Rupert Koppold, veröffentlicht am 03.03.2005
Filmbeschreibung
"Der neue Finger muss angemeldet werden!" Solche Sätze sind in den Metropolen der schönen neuen Welt zu hören, in denen die Einwohner vollständig erfasst werden sollen. Aber ist ein genetisch aufgeschlüsselter Mensch wirklich vollständig erfasst, und wenn ja: ist er damit auch vollständig verstanden? In seinem Science-Fiction-Film "Code 46" versucht Michael Winterbottom, in einem wissenschaftlich erklärten und scheinbar durch und durch transparenten Leben die Liebe, das Geheimnis, die Romantik und das Schicksal zu retten.

Im Auftrag der Versicherungsfirma Sphinx reist William (Tim Robbins) in dieser Geschichte von Seattle nach Schanghai, um herauszufinden, wer dort die so genannten "Papelles" fälscht, jene Papiere, die allein zum Aufenthalt in den hochzivilisierten Städten berechtigen. Das Empathieserum, das William eingeimpft wurde, bringt ihn schnell auf die Spur der jungen Maria (Samantha Morton), aber er verrät sie nicht, er ist von ihr so angezogen, dass er sich in sie verliebt und mit ihr schläft. Ohne es zu wissen, hat er dabei gegen das Inzestverbot in den Zeiten der künstlichen Befruchtung, der Gentechnik und des Klonens verstoßen.

Das immer wieder Stoffe und Stile wechselnde Regiechamäleon Winterbottom, das scharfkantige Roadmovies wie "Butterfly Kiss", düstere Literaturverfilmungen wie "Jude", spritzige Liebesgeschichten wie "With or without you" oder halb dokumentarische Flüchtlingsdramen wie "In this world" gedreht hat, transponiert hier ein Stück der Ödipusgeschichte und auch ein Stück des "Homo Faber" in die Zukunft.

Aber so ganz schafft es Winterbottom leider nicht, sein Thema herauszuarbeiten, "Code 46" wirkt dramaturgisch eher verwirrend als komplex. Was der Film aber schafft, ist die Setzung der Gegenwart als Zukunft, genauer gesagt: es gelingt ihm, Bilder der futuristischen Architektur des heutigen Schanghai und des heutigen Dubai so glaubhaft als Bilder der Welt von morgen auszugeben, wie das Godard 1965 mit dem damaligen Paris gelungen ist, das bei ihm zur totalitären Stadt "Alphaville" wurde.

Auch die Zonen außerhalb der Metropolen, in denen die Armen und Ausgestoßenen ohne "Papelles" leben, sind in "Code 46" überzeugend geschildert, obwohl oder gerade weil es dort so aussieht wie in der Dritten Welt von heute. "Wie können Menschen hier leben?" fragt Williams, den es in diese Zonen verschlagen hat, einen Taxifahrer. "Nicht leben", antwortet der, "nur existieren." In solchen Szenen ist klar: die Zukunft hat längst begonnen.
 
Mehr StZ Filmkritiken

Alle Artikel anzeigen
Anzeigen

Was möchten Sie unternehmen?
Wann möchten Sie etwas unternehmen?
vorheriger Monat
Monat
kommender Monat
Heute Morgen Akt. Woche
MODIMIDOFRSASO
0123456
0123456
0123456
0123456
0123456
0123456
Highlights am 11.02.
Premiere: Die Kunst zu Leben - Kinder- und Jugendhaus Zuffenhausen Haus 11
Premiere: Der Froschkönig - FITZ - Zentrum für Figurentheater
Derbe Kerbe - Schräglage
Aktuelle Videos


Sie suchen eine neues Zuhause?

Wir haben Sie alle! Mieten oder kaufen, Wohnung oder Haus. In Baden-Württembergs bedeutendstem Immobilienmarkt finden Sie Angebote aus Stuttgart, der Region und dem Rest der Republik.
zur Immobiliensuche
StZ ePaper
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten

Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.
Trailer oder Video auf filmstarts.de
 
nach oben