Die Tiefseetaucher
Der alte Kauz und das Meer
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 17.03.2005
Filmbeschreibung
Eigenbrötler, verschrobener Kauz, Abstandsbedürftiger - ja, so könnte man einen Mann charakterisieren, der am liebsten monatelang weit draußen auf dem Ozean ist. Mehr noch, der hinabtauchen will in nicht für Menschen gemachte Tiefen, wo Verständigung nur mit Handzeichen möglich ist. Steve Zissou (Bill Murray), das Paradescheusal und den großen Hilfsbedürftigen aus Wes Andersons "Die Tiefseetaucher", darf man so beschreiben, hat dann aber nur einen Teil von ihm erwischt.
Zissou ist Regisseur und Protagonist von Natur-, nein, von Expeditionsfilmen, ein zwanghafter Selbstdarsteller, ein Mann, der auf alles, was er tut, die Kamera draufhält und Lebensentscheidungen danach trifft, ob sie gute Bilder abwerfen. Zissou glaubt, spät einen Sohn zu entdecken. Aber die Annäherung an diesen Mann (Owen Wilson), den er kidnappingartig mit auf Fahrt nimmt, wird dann sofort Teil des nächsten Zissou-Films.
Mit "Life Aquatic", so der Originaltitel, hat Anderson nach "The Royal Tenenbaums" erneut alles andere als eine Mainstream-Komödie gedreht. Er scheint sich die Sache sogar willentlich schwer zu machen. Denn Zissou, seine Mannschaft und sein Boot sind eine Satire auf Jacques Cousteau, der in den Sechzigern und Siebzigern mit seinen Unterwasserabenteuern im Fernsehen Furore machte, auf dessen erweiterte Familie und auf dessen Forschungsschiff "Calypso". Anderson legt sich also mit etwas an, das wir erst aus dem Gedächtnis aufrufen müssen. Aktuelle Naturfilme mögen in Cousteaus Tradition der Fiktionalisierung und Selbststilisierung stehen, sind aber in vielem ganz anders.
Anderson zelebriert in Farben, Gesten, Tempo, Ausstattung das Anachronistische Zissous. Doch "Die Tiefseetaucher" spielt nicht in Cousteaus Zeit, sondern in einer Fantasiezeit. Jeff Goldblum als Zissous Konkurrent ist ein Mann von morgen, ein eleganter Dynamiker und Hightechdirigent. Die Erzählstrategie der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen führt Anderson aber nicht in die Freiheit, sondern in die Beliebigkeit.
Anderson will Zissou, einen missratenen Kauz voller Kummer, nicht dem Gelächter preisgeben und dreht den Film immer dann, wenn er komisch werden könnte, ins Melodram. Im nächsten Moment aber schreckt er vor dem Ernst zurück und versucht, alles als trockene Ironie auszugeben. "Die Tiefseetaucher" erstarrt in Unentschlossenheit. Die Computer hexen bizarre Tiefseekreaturen ins Bild - aber die können dem Film so wenig ihre selbstsichere Heiterkeit borgen, wie Fische mit uns ihre Atemluft teilen.
Zissou ist Regisseur und Protagonist von Natur-, nein, von Expeditionsfilmen, ein zwanghafter Selbstdarsteller, ein Mann, der auf alles, was er tut, die Kamera draufhält und Lebensentscheidungen danach trifft, ob sie gute Bilder abwerfen. Zissou glaubt, spät einen Sohn zu entdecken. Aber die Annäherung an diesen Mann (Owen Wilson), den er kidnappingartig mit auf Fahrt nimmt, wird dann sofort Teil des nächsten Zissou-Films.
Mit "Life Aquatic", so der Originaltitel, hat Anderson nach "The Royal Tenenbaums" erneut alles andere als eine Mainstream-Komödie gedreht. Er scheint sich die Sache sogar willentlich schwer zu machen. Denn Zissou, seine Mannschaft und sein Boot sind eine Satire auf Jacques Cousteau, der in den Sechzigern und Siebzigern mit seinen Unterwasserabenteuern im Fernsehen Furore machte, auf dessen erweiterte Familie und auf dessen Forschungsschiff "Calypso". Anderson legt sich also mit etwas an, das wir erst aus dem Gedächtnis aufrufen müssen. Aktuelle Naturfilme mögen in Cousteaus Tradition der Fiktionalisierung und Selbststilisierung stehen, sind aber in vielem ganz anders.
Anderson zelebriert in Farben, Gesten, Tempo, Ausstattung das Anachronistische Zissous. Doch "Die Tiefseetaucher" spielt nicht in Cousteaus Zeit, sondern in einer Fantasiezeit. Jeff Goldblum als Zissous Konkurrent ist ein Mann von morgen, ein eleganter Dynamiker und Hightechdirigent. Die Erzählstrategie der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen führt Anderson aber nicht in die Freiheit, sondern in die Beliebigkeit.
Anderson will Zissou, einen missratenen Kauz voller Kummer, nicht dem Gelächter preisgeben und dreht den Film immer dann, wenn er komisch werden könnte, ins Melodram. Im nächsten Moment aber schreckt er vor dem Ernst zurück und versucht, alles als trockene Ironie auszugeben. "Die Tiefseetaucher" erstarrt in Unentschlossenheit. Die Computer hexen bizarre Tiefseekreaturen ins Bild - aber die können dem Film so wenig ihre selbstsichere Heiterkeit borgen, wie Fische mit uns ihre Atemluft teilen.
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