Nick Hornby

A Long Way Down

Thomas Borchert, dpa, veröffentlicht am 06.06.2005
Foto: Verlag

Nick Hornby will richtig ernst werden und trotzdem witzig bleiben. In seinem neuen Roman über vier Selbstmordkandidaten hat er die Latte nach den selbstironisch depressiven Fußball- oder Rockfans seiner ersten Romane "Fever Pitch" und "High Fidelity" und den sympathisch hilflosen Beziehungschaoten aus "About A Boy" und "How to be Good" ganz schön hoch gelegt. "Ich wollte ein Buch über etwas extrem Runterziehendes schreiben, das rockt. Und ich wollte sehen, ob ich die Charaktere vom Dunkel ins Licht bringen kann, ohne sentimental oder unrealistisch zu werden", gab der 48-jährige Londoner im "Guardian" eine dankenswert klare Absichtserklärung zu Protokoll.

"A Long Way Down", der lange Weg nach unten, beginnt in einer Silvesternacht ganz oben auf dem Dach eines Londoner Hochhauses, von dem sich vier einander Unbekannte in den Tod stürzen wollen. Martin, wegen Sex mit einer Minderjährigen vorbestrafter Ex-Moderator aus dem Frühstücksfernsehen, der als Möchtegern-Rockstar gestrandete JJ, die ewig pubertierende Politikertochter Jess und die mit ihrem schwer behinderten Sohn restlos vereinsamte Mitfünfzigerin Maureen springen nicht.

Sie verabreden einen Aufschub von 90 Tagen und bilden eine Gruppe. Hornby lässt alle vier aus ihrer Perspektive selbst erzählen, was nun bis zum glücklichen Ende, wieder auf dem Dach des Hochhauses, passiert. Jess fällt trotz ihres dafür äußerst unpassenden Alters noch in der eigentlich für den Selbstmord reservierten Nacht ein, dass die Begegnung mit den anderen drei sie irgendwie an die Beatles erinnerte: "Ich war George, bloß dass ich nicht schüchtern oder religiös war. Martin war John, bloß war er nicht begabt oder cool."

Also doch nicht wie die Beatles: "Wenn ich so überlege, waren wir vielleicht doch eher eine andere Band mit vier Leuten." Die Viererbande schlägt sich in der selbst gesetzten Überlebensfrist durch etliche Verwicklungen, einige davon durchaus komisch. Am Ende finden alle ihren "Weg zu mehr Selbstachtung", wie Ex-TV-Star Martin seine neue Tätigkeit als Nachhilfelehrer für den achtjährigen Pacino umschreibt, der keine Ahnung vom Ursprung seines selten Vornamens hat.

Die vier Selbstmordanwärter wirken von Anfang bis zum Ende dieses Buches in etwa so verzweifelt wie Bridget Jones beim Tagebuchschreiben mit zu viel Rotwein und Schokolade. Damit könnte man als Leser leben, wenn Hornby nicht ersichtlich mehr wollte - und die Geschichte "rocken" würde. Aber sie bleibt über weiter Strecken zäh und unglaubwürdig, die Mischung aus Ernst und Witz stimmt selten.

Der Geschmack beim Weg aus "dem Dunkel zum Licht" bleibt fade wie nach Fastfood, das als Besseres angeboten wird. Vielleicht rockt oder swingt die schon gesicherte Verfilmung, auf die das Buch im Übrigen sichtlich angelegt ist. Johnny Depp will produzieren und wäre sicher prima geeignet für beide männliche Hauptrollen. An sich sind die bei Hornby-Büchern Hugh Grant oder Colin Firth vorbehalten.
 

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