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Wirtschaft & Finanzen


BMW

Ein amerikanischer Traum

Bernd-Wilfried Kießler, Sonntag Aktuell, veröffentlicht am 11.07.2005
Bild: BMW

Um es gleich vorweg zu sagen: Wirtschaftlich war der BMW 507 ein Reinfall. Von dem Zweisitzer sind nicht mehr als 251 Stück gebaut worden. Dennoch gilt der Wagen bis heute als Urmodell eines modernen Sportwagens, und von Kennern der klassischen Automobilszene wird er ob seiner Seltenheit umso mehr geschätzt.

Die Geschichte seiner Entwicklung ist so spannend wie der Lebenslauf seines Designers. Albrecht Graf Goertz wurde 1914 in Niedersachsen geboren. Als Sohn einer jüdischen Mutter verließ er Anfang der dreißiger Jahre auf der Flucht vor den Nationalsozialisten Deutschland in Richtung Nordamerika. Zwar hatte er in Deutschland und England als Bankangestellter gearbeitet, doch seine Leidenschaft gehörte den Autos und dem Design. In den USA entwarf er auf dem Chassis einer Mercury-Limousine ein kühnes Coupé und nannte das Einzelstück Paragon. Es sollten anderthalb Jahrzehnte und ein ganzer Weltkrieg vergehen, ehe Goertz, der sich inzwischen als Industriedesigner einen Namen gemacht hatte, ein zweites Auto entwarf: Auf Vermittlung des damaligen US-Importeurs von BMW schickte er die Skizze eines offenen Zweisitzers nach München, wo man gerade darüber nachsann, was die weiß-blaue Marke dem 1954 präsentierten Flügeltürer-Mercedes 300 SL entgegensetzen könnte.

In seiner Autobiografie "You've got to be lucky" beschreibt Graf Goertz, dass die unter hohem Zeitdruck stehende 507-Entwicklung nicht ohne Probleme vor sich ging. So versuchte man, während Goertz zwischendurch in New York weilte, den ursprünglichen Entwurf zu verwässern. Aber der Deutsch-Amerikaner hatte den damaligen BMW-Chef Hans Grevenig hinter sich, der ihm den Rücken stärkte und ihn - zum Ärger der hausinternen Konkurrenz - obendrein mit dem Entwurf des BMW 503 betraute, der als viersitziges Coupé und Cabriolet ausgelegt war. Das schuf dem Designer noch mehr Neider, so dass er missmutig nach New York flog, während sein BMW 507 auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt im Herbst 1955 gezeigt - und bestaunt - wurde. Grevenig schickte ihm ein Telegramm hinterher: "507 als Star der Ausstellung beifallumrauscht. Gratuliere!" Vom Mercedes-Entwicklungschef und 300-SL-Vater Rudolf Uhlenhaut sind die Worte überliefert: "So etwas kriegen wir nicht hin."

Die Technik unter dem ausgesprochen schicken Aluminiumblech war wirklich nicht von schlechten Eltern: Der 3,2 Liter große V-8-Motor leistete 150 PS/110 kW und machte den 507 bis zu 220 km/h schnell - eine für die 50er Jahre rennwagenartige Geschwindigkeit. Und tatsächlich hat Hans Stuck, König der in jenen Jahren beliebten Bergrennen, so manchen Wettbewerb mit einer leicht abgewandelten Ausführung dieses Modells gewonnen. Zu Rennzwecken musste vor allem das Fahrwerk verändert werden, denn beim BMW 507 waren Federung und Dämpfung betont komfortabel abgestimmt, weil man den US-Markt im Auge hatte. Sonntag Aktuell hatte jüngst die Gelegenheit zu einer kurzen Testfahrt in einem solchen BMW 507: Das Fahrgefühl in diesem Wagen ist auch nach heutigen Maßstäben ausgesprochen gutmütig, weder zu hart noch zu weich abgestimmt und deshalb alltagstauglicher als die meisten Oldtimer, in denen wir schon unterwegs waren.

Der Roadster des Grafen Goertz erbrachte nicht die von BMW erhofften Stückzahlen, obwohl sich Stars wie Elvis Presley, Ursula Andress und Alain Delon mit ihm zeigten. Auch Fürst Rainier von Monaco bereicherte seinen Fuhrpark mit einem 507 - doch einem größeren Personenkreis fehlte in jenen Jahren einfach das Geld für ein solches Auto: Mit 26 500 D-Mark kostete der BMW gut doppelt so viel wie ein Jaguar XK 140 und in etwa das Gleiche wie sechs VW Käfer. Gemessen an heutigen Golf-Preisen entspräche das etwa 100 000 Euro.

1959 wurde die Produktion des BMW 507 schließlich eingestellt, nicht zuletzt weil man ausgerechnet auf dem US-Markt mit nur 39 verkauften Exemplaren weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Am Verbrauch kann es nicht gelegen haben, ganz im Gegenteil: 16 Liter für ein Fahrzeug von 1,5 Tonnen Leergewicht galten damals in dieser Leistungsklasse als mäßig.

Albrecht Graf Goertz hat später der Marke Datsun/Nissan zu ihren höchst erfolgreichen Z-Sportwagen verholfen und durfte sich bei Porsche an einem echten Viersitzer und an einem VW-Porsche versuchen. Den Viersitzer brachte Ferry Porsche mit freundlichen Worten zu Fall: "Ein schönes Auto. Aber leider ist es kein Porsche, sondern ein Goertz."
 

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