Inside Deep Throat
Lustig ist die Pornofilmerei
Ulrich Kriest , veröffentlicht am 11.08.2005
Filmbeschreibung
Als sich die Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein Anfang der siebziger Jahre daranmachten, die Hintergründe des Einbruchs in die Wahlkampfzentrale der Demokratischen Partei zu recherchieren und so die Watergate-Affäre auslösten, die schließlich zum Rücktritt des US-Präsidenten Nixon führen sollte, lautete der Deckname ihres wichtigsten Informanten Deep Throat.
Das war seinerzeit nicht ohne Ironie, heutzutage müsste man diesen bösen Witz wohl schon erklären: "Deep Throat" war 1972 der erste Pornofilm, der es aus dem schmuddeligen Halbdunkel der Szene in die breite Öffentlichkeit schaffte, seinen weiblichen Star Linda Lovelace zur Pop-Ikone machte und einen kurzlebigen Porno-Chic auslöste, der die (Mafia-)Kassen klingeln ließ. Produktionskosten von 25 000 Dollar stand ein Einspielergebnis von wohl annähernd 600 Millionen Dollar gegenüber.
Zugleich aber löste der Film heftige Zensur-Auseinandersetzungen, einen regelrechten Kulturkampf aus, was den männlichen Hauptdarsteller fast hinter Gitter gebracht hätte. Die Dokumentarfilmer Fenton Bailey und Randy Barbato sind davon ausgegangen, dass "Deep Throat" ein kulturgeschichtlich aufschlussreiches Scharnier darstellt, das bestens zu recherchieren und unterhaltsam aufzubereiten ist. So bietet "Inside Deep Throat" viel Zeitkolorit: lustige Klamotten, viel zeitgenössische Popmusik und reichlich muffig-spießige Ideologie - genug Material also, über das sich der heutige, aufgeklärte Zuschauer lustig machen kann.
Der Film nährt über weite Strecken gut gelaunt die Legende von der unabhängigen und emanzipatorischen Pornografie der frühen siebziger Jahre und deren späterer Übernahme durch eine menschenverachtende und profitgierige Pornoindustrie, die dem poppigen Laisser-faire rasch den Garaus machte. Gegen so viel selbstgefällige Flottheit erhebt indes die Geschichte selbst Einspruch. 1980 zerstörte nämlich Linda Lovelace selbst den Mythos "Deep Throat", indem sie behauptete, während der Dreharbeiten vergewaltigt worden zu sein. Die Darstellerin wechselte ins PorNo!-Lager und Jahre später noch einmal vor die Kamera eines Fetischmagazins. Für das Potenzial solch dialektischer Volten von Biografien und Zeitgeschichte hat "Inside Deep Throat" indes nicht das Format, weshalb der Film im letzten Drittel schlicht das Interesse an sich selbst verliert.
Das war seinerzeit nicht ohne Ironie, heutzutage müsste man diesen bösen Witz wohl schon erklären: "Deep Throat" war 1972 der erste Pornofilm, der es aus dem schmuddeligen Halbdunkel der Szene in die breite Öffentlichkeit schaffte, seinen weiblichen Star Linda Lovelace zur Pop-Ikone machte und einen kurzlebigen Porno-Chic auslöste, der die (Mafia-)Kassen klingeln ließ. Produktionskosten von 25 000 Dollar stand ein Einspielergebnis von wohl annähernd 600 Millionen Dollar gegenüber.
Zugleich aber löste der Film heftige Zensur-Auseinandersetzungen, einen regelrechten Kulturkampf aus, was den männlichen Hauptdarsteller fast hinter Gitter gebracht hätte. Die Dokumentarfilmer Fenton Bailey und Randy Barbato sind davon ausgegangen, dass "Deep Throat" ein kulturgeschichtlich aufschlussreiches Scharnier darstellt, das bestens zu recherchieren und unterhaltsam aufzubereiten ist. So bietet "Inside Deep Throat" viel Zeitkolorit: lustige Klamotten, viel zeitgenössische Popmusik und reichlich muffig-spießige Ideologie - genug Material also, über das sich der heutige, aufgeklärte Zuschauer lustig machen kann.
Der Film nährt über weite Strecken gut gelaunt die Legende von der unabhängigen und emanzipatorischen Pornografie der frühen siebziger Jahre und deren späterer Übernahme durch eine menschenverachtende und profitgierige Pornoindustrie, die dem poppigen Laisser-faire rasch den Garaus machte. Gegen so viel selbstgefällige Flottheit erhebt indes die Geschichte selbst Einspruch. 1980 zerstörte nämlich Linda Lovelace selbst den Mythos "Deep Throat", indem sie behauptete, während der Dreharbeiten vergewaltigt worden zu sein. Die Darstellerin wechselte ins PorNo!-Lager und Jahre später noch einmal vor die Kamera eines Fetischmagazins. Für das Potenzial solch dialektischer Volten von Biografien und Zeitgeschichte hat "Inside Deep Throat" indes nicht das Format, weshalb der Film im letzten Drittel schlicht das Interesse an sich selbst verliert.
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