Öffne meine Augen

Hoffnung der Geprügelten

Thomas Klingenmaier , veröffentlicht am 08.09.2005
Filmbeschreibung
Schläge verbinden. Diese perverse Wirklichkeit gewaltgeprägter Beziehungen leugnet Iciar Bollains Spielfilm "Öffne meine Augen" nicht. Er setzt sie vielmehr als unberechenbare seelische Deformation voraus. Denn eine misshandelte Frau will ihrem Peiniger oft durch Scham und Schmerz und Angst hindurch noch vertrauen. Nur wenn Vertrauen noch lohnt, scheint der eigene Fehler bei der Wahl des Partners nicht ganz so verheerend. Wenn Besserung möglich ist, kann die eigene Demütigung als Opfer auf dem schwierigen Weg zur Heilung eines anderen begriffen werden. Auch der Weg in die ganz privaten Höllen ist mit guten Vorsätzen gepflastert.

Bollains bei der Verleihung der spanischen Filmpreise mit sieben Goyas bedachter Film erzählt von Pilar (Laia Marull), die es eines Tages nicht mehr aushält und vor den Prügelorgien ihres Mannes Antonio (Luis Tosar) mit ihrem Kind zu ihrer Schwester flüchtet. Die vor Angst zittert, wenn Antonio bittend und schnaubend vor der Tür steht. Und die doch den Kontakt nicht ganz abbricht. Die auf die Kontaktaufnahmeversuche ihres Mannes eingeht, die immer weiter glauben will, dass Schlagen eine Krankheit ist, die sich in den Griff bekommen lässt.

"Öffne meine Augen" ist kein polemischer Film - zumindest nicht gegenüber Antonio. In der hier sehr sinnreich eingesetzten Dogmatechnik vermeintlich direkter Lebensbeobachtung bekommen wir die Bemühungen des Küchenverkäufers Antonio zu sehen, seine Probleme in einer Männergruppe in den Griff zu bekommen.

Im Vergleich mit einigen der tatsächlich karikaturhaft gezeichneten Macho-Idioten bei den Therapiesitzungen ist er ein relativ aufgeschlossener Typ. Aber Bollain zeigt, welcher verheerende Prozess in ihm abläuft. Er weiß, dass Prügeln falsch ist und auch ihn erniedrigt. Darum bildet sich neue Wut - auf die Frau, die ihn angeblich zu diesem Fehler provoziert hat. Antonios Groll ist so bedrohlich wie Pilars Gefährdung beklemmend. Thriller sind selten so spannend wie diese Beobachtung einer fortdauernden Gefährdung, die aus dem Vertrauen in die Wandelbarkeit des Herzens folgt.
 
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